Illegales Rennen Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt

Beim illegalen Rennen von zwei jungen Sportwagenrasern stirbt ein unbeteiligter Autofahrer. Der Schuldspruch der Richter lautet: Mord. Die Männer erhalten lebenslange Haftstrafen. Ihre Verteidiger kündigen Revision an.
Update: 27.02.2017 - 14:39 Uhr 12 Kommentare

Lebenslange Haftstrafe – Berliner Raser wegen Mordes verurteilt

BerlinMit einem aufsehenerregenden Schuldspruch sind zwei Autoraser nach einem tödlichen Rennen bundesweit erstmals wegen Mordes verurteilt worden. Das Berliner Landgericht verhängte gegen die beiden Männer im Alter von 28 und 25 Jahren am Montag lebenslange Freiheitsstrafen. Ihnen wurde zudem lebenslang der Führerschein entzogen. Ein Verteidiger des 28-Jährigen kündigte bereits Revision an. Damit wird der Bundesgerichtshof (BGH) den Fall prüfen.

Mit 160 Stundenkilometern hatte der 28-Jährige in der Nacht zum 1. Februar 2016 eine rote Ampel überfahren und den Jeep eines unbeteiligten Fahrers in der Berliner Innenstadt gerammt. Der Geländewagen wurde 72 Meter weit geschleudert. Der 69 Jahre alte Fahrer starb noch im Auto.

Nach fünfeinhalbmonatigem Prozess war das Gericht überzeugt, dass die Sportwagenfahrer bei dem illegalen Rennen „mittäterschaftlich und mit bedingtem Vorsatz“ gehandelt hätten. Die Männer hätten zwar niemanden vorsätzlich töten wollen, aber mögliche tödliche Folgen billigend in Kauf genommen, um zu gewinnen. „Es ging um den Kick und das Ansehen in der Raserszene.“ Ihre PS-starken Wagen hätten die Angeklagten als „gemeingefährliches Mittel“ eingesetzt. Für ein Urteil wegen Mordes ist mindestens der sogenannte bedingte Vorsatz nötig. Zudem muss mindestens eines von mehreren Mordmerkmalen erfüllt sein, in diesem Fall die Ausübung mit gemeingefährlichen Mitteln.

Richter Ralph Ehestädt sagte zu Beginn der Urteilsbegründung: „Es ist eine Einzelfallentscheidung.“ Es gehe nicht um eine Demonstration von Härte. Die Strafkammer habe sich am geltenden Recht orientiert und sei aus der Gesamtschau der objektiven und subjektiven Umstände zu dem Schuldspruch wegen Mordes gekommen.

Die verkehrsrechtlich bereits häufig aufgefallenen Angeklagten seien „Autofans, Schnellfahrer“ und Teilnehmer illegaler Rennen, hieß es weiter im Urteil. „Sie steigern ihr Selbstwertgefühl über das Kfz.“ Auf einer Hauptverkehrsstraße in der City „und nicht auf einer Landstraße“ seien sie „mit Vollgas gefahren“. Ob von rechts ein anderes Fahrzeug kommt, hätten die Raser nicht sehen können. „Sie hatten keine Chance zu reagieren“, sagte Richter Ehestädt.

Die beiden Männer hätten es dem Zufall überlassen, ob und wie viele Menschen durch ihr Verhalten zu Schaden kommen. Der Vorsitzende wies darauf hin, die Summe der Tatumstände und die Persönlichkeiten der Angeklagten hätten in diesem Fall den Ausschlag gegeben. Der Fall sei nicht vergleichbar mit anderen Vorfällen im Straßenverkehr, die jüngst für Aufsehen gesorgt hatten.

Auch das Argument der Verteidiger, die Angeklagten hätten das Risiko ausgeblendet, greife nicht. „Auch der Raser bleibt ein Mensch der einen Kopf hat“, so Ehestädt. Dass es bei einer höchstgefährlichen Fahrweise zu schlimmen Folgen kommen könne, sei auch Rasern klar.

Die Verteidiger hatten Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung für den einen Fahrer und wegen Gefährdung des Straßenverkehrs für den anderen gefordert. Sie argumentierten, der Vorsatz, an einem Rennen teilzunehmen, sei nicht mit einem Tötungsvorsatz gleichzusetzen. Die Männer seien davon ausgegangen, alles unter Kontrolle zu haben.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Ankläger Christian Fröhlich sagte, die enorme Geschwindigkeit mache den Fall so besonders. Er hoffe, dass sich andere Raser durch das Urteil abschrecken lassen. Ein Sohn des Getöteten zeigte sich erleichtert: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen - diese Signalwirkung war mir wichtig.“

Bislang ergingen in ähnlichen Fällen in der Regel Schuldsprüche wegen einer fahrlässig begangenen Tat. Der tödliche Unfall in der Berliner City hatte die Debatte über härtere Strafen gegen Teilnehmer illegaler Rennen angekurbelt. Sie sind bislang als Ordnungswidrigkeiten eingestuft – geahndet mit 400 Euro Buße und einem Monat Fahrverbot. Der Bundesrat beschloss im September 2016 einen Gesetzentwurf für deutlich härtere Strafen. Der Bundestag müsste allerdings noch zustimmen, damit der Entwurf Gesetz wird.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Illegales Rennen - Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt

12 Kommentare zu "Illegales Rennen: Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Gute Entscheidung, lebenslang.

  • In der Berufung gilt dann wieder Täter- vor Opferschutz. Ist dann noch ein Migrationshintergrund da, läuft es auf die geforderten Bewährungsstrafen hinaus...

  • Entlarvend. Zu bemitleiden.

  • Die in Deutschland weit verbreitete Ignoranz ist die neue Toleranz unserer Zeit Herr Kunkel.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Könnte die Redaktion bitte dieses geistlose und/oder menschenverachtende Gelaber von J Schwarz und Lebedova löschen. Ihr seid zu bemitleiden.

  • Dies war endlich mal eine vernünftiges Urteil, dass den Tatbestand richtig wertet.
    Jedem Kraftfahrer ist klar, was bei unangemessener Fahrweise im Stadtgebiet passieren kann. Wenn dann jemand bewusst mit über 100 oder 160 herumrast, muss ihm klar sein, dass er damit Menschen töten kann; also klarer Vorsatz
    Somit als Mord zu werten.
    Es wäre wirklich lächerlich, wenn, wie bereits geschehen, solche Täter zu zwei Jahren und das möglicherweise noch auf Bewährung verurteilt wird. Ist ein Menschenleben wirklich so wenig wert ?
    Dann wären auch die Angehörigen zu verstehen, wenn diese der Gerechtigkeit nachhelfen würden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Eine wesentlich härtere Gangart bei den Urteilen habe ich schon seit mehreren Jahren vermisst. - Für den "normalen" Autofahrer sind derartiges Verhalten nicht nachvollziehbar. Ich bin über 40 Jahre im Außendienst tätig gewesen, mit hohen km-Leistungen. Ich stelle in den letzten Jahren eine Verrohung im Straßenverkehr fest. - Ich führe das in erster Linie auf extrem starke Fahrzeuge im Bereich der unteren Mittelklasse, die sich bestimmte jüngere Männer mit guten Einkommen heute ohne weiteres leisten können. - Hier ist natürlich auch die Automobilindustrie gefordert, die permanente Aufrüstung zu beenden. Nicht alles, was technisch möglich ist, muss nicht zwangsläufig umgesetzt werden. In Zeiten, wo wir über Autoabgase in Großstädten diskutieren, sollte endlich ein Umdenken stattfinden. Aber: Raser, wie diese beiden Herren werden sich wahrscheinlich nicht abschrecken lassen. - Ich hoffe dringend, dass das BGH eine weise Entscheidung fällt und das Urteil bestätigt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%