Im Gebirge verlaufen
Vermisster Japaner überlebte 24 Tage im „Winterschlaf“

Ein Japaner hat 24 Tage ohne Lebensmittel und Wasser in einer Gebirgslandschaft überlebt, weil er nach Darstellung seiner Ärzte in eine Art Winterschlaf fiel. Die Ärzte sprachen von einem "revolutionären Fall".

HB TOKIO. Der 35 Jahre alte Mitsutaka Uchikoshi hatte fast keinen Puls mehr und seine Körpertemperatur war auf 22 Grad gefallen, als er Ende Oktober auf dem Berg Rokko nahe der Hafenstadt Kobe gefunden wurde.

Der städtische Angestellte wollte eine Grillparty besuchen und verirrte sich. „Am zweiten Tag schien die Sonne. Ich war auf einem Feld und fühlte mich wohl. Das ist meine letzte Erinnerung“, berichtete Uchikoshi vor seiner Entlassung aus dem Krankenhaus am Dienstag. „Danach muss ich eingeschlafen sein.“ Die Ärzte vermuten, dass der Mann stürzte und das Bewusstsein verlor.

„Er fiel in einen Zustand ähnlich dem Winterschlaf und viele seiner Organfunktionen verlangsamten sich, aber sein Gehirn war geschützt“, sagte der Chef der Notaufnahme im städtischen Krankenhaus von Kobe, Shinichi Sato. Er glaube, dass die Hirnkapazität seines Patienten völlig wieder hergestellt sei. Uchikoshi wurde wegen Unterkühlung, multiplen Organversagens und Blutverlustes behandelt. Doch werde er vermutlich keine bleibenden Schäden davontragen, sagte Sato.

„Dieser Fall ist revolutionär, wenn der Patient wirklich mit einer so niedrigen Körpertemperatur über einen so langen Zeitraum überlebt hat“, sagte Professor Hirohito Shiomi, ein Fachmann für Winterschlaf an der Universität von Fukuyama. Es müsse geklärt werden, ob Uchikoshi schnell auskühlte oder ob seine Körpertemperatur erst später zurückging, und „er eigentlich im Sterben lag, als er gefunden wurde“.

Wissenschaftler halten es seit langem für theoretisch möglich, dass Menschen in eine Art Winterschlaf fallen können. 2004 entdeckten deutsche Forscher auf Madagaskar Lemuren, die viele Monate im Jahr überwintern. Das war nach ihrer Darstellung der erste Beweis für das Auftreten dieses Phänomens bei Primaten.

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