Imkerin Silke Helms
Die "Bienenkönigin" und die Waschbären

Mit zehn Jahren bekam Silke Helms ihr erstes Bienenvolk. Bis heute hat sie die Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Die Berufsimkerin stemmt sich gegen das Bienensterben durch die gefährliche Varromilbe. Im Wald hat sie jedoch einen weit schwergewichtigeren Feind.
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Lüneburg, EmbsenIhr erstes Bienenvolk hat sie zu ihrem zehnten Geburtstag bekommen, von Papa, der war Hobbyimker. Seitdem ist Silke Helms nicht mehr losgekommen von diesen Tieren: Sie wurde sogar Berufsimkerin. Die Leidenschaft für ihren Beruf lässt ihr jetzt im Sommer kaum eine freie Stunde, denn es ist Erntezeit. „Von Mai bis August reicht eine 40-Stunden-Woche nicht aus“, sagt Helms.

Wie allen Imkern bereitet auch ihr das Bienensterben große Sorgen. Experten wie Werner von der Ohe vom Institut für Bienenkunde im niedersächsischen Celle führen den dramatischen Rückgang vor allem auf die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe zurück. „Dazu kommen zu den Pilzen zählende Mikrosporidien, von den Milben übertragene Viren und teilweise Nahrungsmangel“, sagt von der Ohe.

Er empfiehlt, gezielt Medikamente zu verwenden, erprobt aber auch andere Maßnahmen. „Von den Landwirten wünschen wir uns mehr Brachflächen und Blühstreifen, in denen die Bienen ihre Nahrung finden können“, sagt der Experte, der den Nutzen der Biene für die Artenvielfalt betont. „Die Bestäubungsleistung der Bienen ist ökonomisch etwa 15 mal höher einzuschätzen als das, was mit Honig, Wachs und anderen Produkten von den Imkereien erwirtschaftet wird. So kommen wir in Deutschland auf einen Wert von etwa 2,7 Milliarden Euro. Nach diesen Schätzungen gehört die Biene zu den drei wichtigsten Nutztieren bei uns nach Rind und Schwein.“

Imkerin Helms hat beobachtet, dass inzwischen bis zu 30 Prozent der Tiere nicht mehr über den Winter kommen. „Früher waren es nur zehn Prozent“, sagt sie. Wenn die 42-Jährige über ihren Beruf redet, gerät sie richtig ins Schwärmen. „Die Bienen sind für mich noch immer faszinierende Wesen“, sagt Helms. „Und dann das Miteinander in der Natur, die Begegnung mit Hirschen und Wildschweinen, die Abwechslung und auch das Unberechenbare.“ Profis wie die 42-Jährige sind selten - mehr als 99 Prozent der deutschen Imker betreiben das Geschäft nur als Hobby oder Nebenerwerb.

Die Spezialität der gelernten „Tierwirtschaftsmeisterin Fachrichtung Bienenhaltung“ ist die Königinnenzucht - ihre Imkerei hat sie „Bienenkönigin“ genannt. „Eine gute Königin ist fruchtbar, friedlich und hält ihr Volk zum Honigsammeln an“, sagt Helms. „Friedlich“ sagt sie nur einmal, danach nur noch „nicht stichig“. Die Bienen von Silke Helms sind nicht stichig. Sagt sie.

Und dann geht es von der Imkerei bei Lüneburg in den Wald, mit dem Lieferwagen an Feldern vorbei über verschlungene Waldwege in einen lichten Kiefernforst. Dort stehen im Blaubeerkraut etwa 20 grüne Kisten, Beuten genannt. Beim Aussteigen zeigt sich: 250.000 Bienen summen nicht, sie erzeugen ein Dröhnen als würde ein kleines Düsenflugzeug starten.

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