Implantat-Skandal
Ist die Lust auf Riesenbusen gedämpft?

Größer, straffer, praller – der Trend zur Schönheitschirurgie scheint ungebrochen. Eine neue Umfrage zeigt für Deutschland jedoch keinen neuen Hype. Doch lässt sich die Realität überhaupt abbilden?
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BerlinEine prallere Oberweite für die Dame, ein imposanteres Gemächt für den Herrn: Trotz handfester Skandale im Reich der Schönheitschirurgie verliert der Reiz des Aufhübschens augenscheinlich wenig von seiner Faszination. Nach der jährlichen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGPÄC), die Ärzte am Mittwoch in Berlin vorstellten, liebäugeln Frauen nach wie vor mit Brustvergrößerung und Fettabsaugen. Männer setzen auf Augenlidkorrekturen, sportlich-flache Brüste und Penisverlängerung. Doch ist das ein realistisches Bild?

Die Beauty-Branche mit Spritze und Skalpell umgibt nach wie vor ein Nebel. Denn wie viele Bundesbürger sich für schicke Nasen oder perfekt anliegende Ohren wirklich unters Messer legen, ob es mehr sind oder weniger als früher, weiß niemand so genau. Und wie oft das schief gehen kann, zeigen meist nur Gerichtsverfahren, in denen Ärzte wegen Körperverletzung verurteilt werden, oder handfeste Skandale wie 2010 mit Brustimplantaten aus Industriesilikon.

Die deutschen Krankenkassen finanzieren keine Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit. Deshalb haben sie keine Fallzahlen zu Schönheits-OPs. Es gibt auch kein anderes zentrales Register. Das Dilemma beginnt schon mit der Berufsbezeichnung. „Schönheitschirurg“ sei kein geschützter Begriff, heißt es bei der Bundesärztekammer. Als hochqualifiziert für Schönheits-Ops gilt dort allein ein Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

Schätzungen über Zahlen zu Schönheits-OPs liegen weit auseinander. Nach Mitgliederbefragungen der beiden deutschen Fachgesellschaften gab es 2015 exakt 43.287 ästhetisch-plastische Eingriffe und damit rund 3500 mehr als im Vorjahr. Die internationale Fachvereinigung ISAPS rechnet für 2015 bundesweit mit rund 287.200 Behandlungen. Sie zählt dazu etwa auch OPs anderer Fachärzte mit Zusatzsausbildung, darunter solche aus der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Die DGÄPC-Umfrage vermittelt jedes Jahr einen kleinen Einblick in die wenig transparente Branche. Rund 2200 Patienten haben 2016 anonym Fragebögen in Facharztpraxen ausgefüllt. Daraus ergibt sich das Ranking der beliebtesten OPs mit zehn Spitzenplätzen bei Frauen und Männern – mit Brustvergrößerung und Penisverlängerung auf den vorderen Rängen.

Zwölf Prozent der Befragten für die Umfrage waren Männer. Das entspreche der Geschlechterverteilung, die zum Schönheitschirurgen geht, sagt DGÄPC-Sprecher Martin Spiering. Ein Zuwachs sei da in naher Zukunft auch nicht zu erwarten, eher ein Rückgang. Repräsentativ machen zwölf Prozent die Umfrage für die Herren der Schöpfung aber nicht. Allein schon deshalb könne die Sache mit der Penisverlängerung bei den großen Männervorlieben unscharf sein, schränkt Spiering ein.

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