In der Gewalt von Piraten
Gekaperter Supertanker liegt vor Somalia

Somalische Piraten haben mit ihrer millionenschweren Beute, dem Supertanker „Sirius Star“, einen ihrer Schlupfwinkel erreicht. Das am Samstag gekaperte Schiff ging am Dienstag in der Nähe der Stadt Hobyo vor der Küste Somalias vor Anker.

HB BOSASSO. Der von Piraten gekaperte saudiarabische Supertanker liegt vor Somalia vor Anker. „Wir können bestätigen, dass das Schiff vor der somalischen Küste bei Haradheere liegt“, sagte am Dienstag ein Sprecher der 5. Flotte der US-Marine. Die Reederei Vela ging davon aus, dass alle 25 Besatzungsmitglieder wohlauf seien. „Gegenwärtig wartet Vela auf weitere Kontakte mit den Piraten, die das Schiff in ihrer Gewalt haben“, erklärte das Unternehmen. Vela International ist die Reederei des staatlichen Ölunternehmens Aramco in Saudi-Arabien.

Die Kaperung der „Sirius Star“ rund 800 Kilometer südöstlich der kenianischen Hafenstadt Mombasa im Indik ist ein bislang einmaliger Vorgang. Noch nie haben Piraten ein so großes Schiff in ihre Gewalt gebracht. Der Zwischenfall ereignete sich zudem weit von der somalischen Küste entfernt. Auch die stärkere Präsenz westlicher Kriegsschiffe in der Region schreckt die Piraten offenbar nicht ab.

Die Welt hat so etwas noch nie gesehen ... Die somalischen Piraten haben den Jackpot gekriegt“, sagte Andrew Mwangura vom Verband East African Seafarers' Association, dessen Organisation die Piraterie in der Region seit Jahren beobachtet. Er geht davon aus, dass die Piraten von einem schon früher gekaperten nigerianischen Schlepper aus operieren. Er diene als Mutterschiff, vom dem aus sie mit Schnellbooten angriffen.

Da der Tanker voll beladen gewesen sei, habe er tief im Wasser gelegen. Es sei daher vermutlich nicht schwer gewesen, an Bord zu gelangen.

Die „Sirius Star“ transportiert bis zu zwei Mio. Barrel Rohöl im Wert von etwa 100 Mio. Dollar und ist dreimal so groß wie ein amerikanischer Flugzeugträger. Die Besatzungsmitglieder kommen aus Kroatien, Großbritannien, den Philippinen, Polen und Saudi-Arabien. Ziel des Tankers waren die USA. Die Route sollte am Kap der Guten Hoffnung vorbeiführen.

Die somalischen Piraten haben in den vergangenen Monaten ihre Aktivität deutlich erhöht. Sie haben Dutzende Schiffe gekapert, darunter auch einen ukrainischen Frachter mit 33 Panzern und weiterer Militärtechnik. Das Schiff ist noch immer in ihrer Gewalt, genauso wie insgesamt rund 200 Seeleute. Den Reedern bleibt meist nichts anderes übrig, als Lösegeld für die Freigabe von Schiffen und Mannschaften zu bezahlen. Das wirkt zugleich als weiterer Treibsatz für die Piraterie.

Auch im Falle des Supertankers gehen Experten davon aus, dass Lösgeld gezahlt werden wird. Zwar hat der Westen Kriegsschiffe in die Region entsandt, um der Piraterie auf dem vielbefahrenen Seeweg Einhalt zu gebieten. In dem großen Seegebiet ist es aber nicht leicht, die kleinen Schnellboote der Piraten ausfindig zu machen. Außerdem hindern ungeklärte rechtliche Fragen die Kriegsschiffe am Durchgreifen.

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