In der katholischen Kirche plädieren viele für Kurswechsel
Forderungen an den neuen Papst

Der Dialog mit anderen Religionen müsse fortgesetzt werden; lokale Kirchen sollten mehr Macht bekommen - zwei von zehn Forderungen, die der belgische Kardinal Godfried Danneels an einen neuen Papst schon vorab richtet. Von vielen Seiten werden bereits Erwartungen an die Kirche und ihre Führung geäußert.

HB VATIKAN-STADT. Zehn Tage vor dem ersten Wahlgang für einen neuen Papst sind in der katholischen Kirche Forderungen nach einem deutlichen Kurswechsel lauter geworden. Gleichzeitig gingen am Tag der Beisetzung des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. die Spekulationen über den Nachfolger weiter. Der belgische Kardinal Godfried Danneels, der selbst als möglicher neuer Papst im Gespräch ist, legte zehn Forderungen an das künftige Kirchenoberhaupt vor. Damit habe der Erzbischof von Mecheln-Brüssel quasi ein Wahlprogramm für das Konklave formuliert, berichteten belgische Zeitungen am Freitag.

Danneels plädierte demnach für eine Fortsetzung des Dialogs mit dem Islam und anderen Religionen. Zugleich forderte er Reformen: mehr Macht für die lokalen Kirchen, eine Reform der Führungsorgane unter größerer Beteiligung der Frauen sowie mehr Aufmerksamkeit für regionale Unterschiede, die Jugend und ethische Fragen. Auf die Frage, ob die Kirche wieder einen jungen Papst brauche, antwortete der 71-Jährige: „Für Gott zählt das Alter nicht.“

Zu seinen eigenen Karriereplänen äußerte sich Danneels ausweichend. „Ob ich Papst werden will? Wenn Sie schlau sind, kennen Sie die Antwort. Also überlegen Sie mal selbst“, zitierte die flämische Zeitung „Het Laatste Nieuws“ den Kirchenmann. Ein Redeverbot vor dem Konklave sei den Kardinälen nicht auferlegt, fügte Danneels nach Angaben der Zeitung „Le Soir“ hinzu. Sie sollten auf Fragen nur „intelligent antworten“.

Papst aus Lateinamerika wäre "ein wichtiges Signal"

Das Konklave beginnt am 18. April. Dann dürfen die 177 wahlberechtigten Kardinäle nicht mehr mit der Öffentlichkeit kommunizieren. Der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger (77), nach dem Tod Johannes Pauls mächtigster Mann im Vatikan, hatte zuvor versucht, die Papstwähler zu völligem Schweigen zu verurteilen. Nach Presseberichten hat er seine Kardinalskollegen aufgerufen, schon vor Beginn des Konklave Journalisten Interviews zu verweigern.

Ein Papst aus Lateinamerika wäre nach Ansicht des Limburger Bischofs Franz Kamphaus ein wichtiges Signal. „Rund die Hälfte der Katholiken lebt in Süd- und Mittelamerika. Ein Papst von dort wäre an der Zeit“, sagte Kamphaus in einem dpa-Gespräch. „Am Ende kommt es natürlich auf die konkrete Person an und nicht auf die Herkunft.“ Der neue Papst sollte den innerkirchlichen Dialog der Kulturen und Glaubenserfahrungen fördern, wünschte sich der Bischof. „So, wie der Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen wichtig ist, brauchen wir auch eine Gesprächskultur im Inneren, wir brauchen einen von gegenseitigem Respekt getragenen Austausch über die Frage, worauf es im christlichen Glauben ankommt.“

Der kirchenkritische Theologe Eugen Drewermann sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Berlin Mitte“, man dürfe Johannes Paul „nicht zum Friedensfürsten stilisieren.“ Im 20. Jahrhundert habe es keinen Krieg gegeben, der nicht mit geistiger Begleitung Roms geführt worden sei. Der Geistliche Rektor der Katholischen Akademie Berlin, Ernst Pulsfort, forderte in der N24- Sendung „Studio Friedmann“, auch Frauen sollten zum katholischen Priesteramt zugelassen werden.

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