In der Sixtinischen Kapelle beginnt die Papstwahl
Die römische Gerüchteküche

Das Konklave beginnt. 115 Kardinäle wählen den neuen Papst. Die Spekulationen finden ihren Höhepunkt.

ROM. "Es ist so ruhig“, sagt Alessandra Maggiorani. Die junge Römerin blickt auf die Via della Conciliazione, die schnurstracks zum Petersplatz führt. Vor ein paar Tagen, zur Beisetzung Johannes Pauls II., herrschte hier wie in der ganzen Stadt der Ausnahmezustand. Jetzt geht alles den normalen Gang – scheinbar. Denn die Gerüchte schwirren durch die Straßen. Was für ein Tag. Während die Regierung von Silvio Berlusconi vor dem Aus steht, beginnt heute im Vatikan das Konklave.

Die Kleider liegen schon bereit. Noch am sonnigen Freitagmorgen schmücken die drei weißen Papstgewänder, verziert mit Spitze und violettem Überhang, das Schaufenster der Schneiderei Gammarelli auf der Via Santa Chiara im Viertel Campo dei Fiori. Wenige Stunden später werden sie verpackt und in den Vatikan geschafft. Auch die Details wollen vorbereitet sein, wenn heute um halb fünf nachmittags die 115 Kardinäle in die Sixtinische Kapelle schreiten. Schließlich könnten sie noch am Abend den nächsten Papst wählen. Und der braucht ein Gewand.

Die Roben werden in drei verschiedenen Größen geliefert – für einen großen Schlanken, einen kleinen Untersetzten oder einen mit durchschnittlicher Statur. „Wir haben versucht, die Größen so vorzubereiten, dass sie der Mehrheit der Kardinäle am besten stehen“, erklärt Lorenzo Gammarelli nicht ohne Stolz. Seit 1792 konzentriert sich seine Familie ganz auf kirchliche Würdenträger. Small, medium, large, die Schneiderei Gammarelli hat im vorigen Jahrhundert bei allen Konklaven die Gewänder gestellt, berichtet Lorenzo. Vor dem Schaufenster zählen die Passanten die Knöpfe. Der Tradition nach sollen es 33 sein – einer für jedes Lebensjahr Jesu.



Ein Priester nimmt ein Bild mit seiner Digitalkamera auf. Andere versuchen, aus der Form der Roben Schlüsse auf den kommenden Papst zu ziehen. „Ich bin sicher, dass im Vatikan noch mehr Gewänder hängen. Für Johannes Paul II. hätten sie doch sonst damals keins fertig gehabt“, mutmaßt Alvise Ballerdini. Der 45-jährige Theologie-Student, der dem verstorbenen Papst schon die Hand gegeben hat, glaubt, dass der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger das Rennen macht. „Wenn ich Kardinal wäre, würde ich ihn wählen“, sagt er. Schließlich sei er der orthodoxeste unter den Favoriten.

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