In die Inspektion vor jeder Saison
Das Fahrrad ist ein Mysterium der Moderne

Wann immer der Berliner Zweirad-Mechaniker Martin Klar ein Fahrrad inspiziert, wird er stur. Lager, Bremsen, Licht, Antrieb – das ist die Reihenfolge, die er stets einhält.

Warum kommt der Antrieb zuletzt? „Das ist einfach“, sagt Klar. „Ketten, Kettenblätter und Schaltung sind meist ölig und schmierig. Würde ich damit anfangen, dann müsste ich zum Schluss das ganze Rad noch einmal reinigen.“ Das blaue Gefährt, das er heute an der Sattelstütze zum Arbeiten eingeklemmt hat, ist ein so genanntes Reise-Rennrad. Gekauft wurde es vor sechs Jahren im renommierten Berliner Fachgeschäft „Bikeline“, dessen Werkstatt Klar leitet.

Vor jeder Saison geht das Rad regelmäßig zur Inspektion. Sein Besitzer radelte auf ihm unfallfrei kreuz und quer durch Europa, nutzt es aber auch im Alltagsverkehr. Stammkunde in der Werkstatt zu sein hat den Vorzug, dass das Rad zum Saisonanfang vorrangiger untersucht wird als solche Räder, die aus der Anonymität kommen – aus dem Versandhandel etwa, aus Discountläden oder aus dem schnäppchensüchtigen Internet.

„Zunächst prüfe ich alle Lager auf Spiel“, sagt Klar und untersucht das Steuerkopflager, das die Gabel hält. Durch Vibrationen hat sich Spiel eingestellt. Das kommt zum Beispiel von Bordsteinkanten, die im Laufe der vergangenen Saison auf dieses Lager gewirkt haben, das die Lenkung leicht machen soll.

Klar stellt mit einem 32er-Schlüssel nach. Passt, wackelt nicht und hat keine Luft mehr. „Sollten Sie selbst gelegentlich einstellen“, rät er. „Dann geht das Lenken leichter.“ Bestes Symptom, wenn etwas im Steuerlager nicht (mehr) stimmt: Das Rad ist nicht mehr freihändig zu manövrieren, ist nicht mehr aus der Hüfte zu lenken. Das „Innere“ des tiefblauen Aluminiumrads ist klassische, leicht angejahrte Zweiradmechanik. Sie könnte für zwei-, dreihundert Euro durch modernere Steuerlager ersetzt werden, etwa durch ein neumodisch so genanntes Ahead-Set. „Der Vorteil,“ sagt Martin Klar, „sind geringeres Gewicht und wesentlich kürzere Einbauzeiten.“

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