In Marktl am Inn ist Papst Benedikt XVI. zur Welt gekommen
Joseph, komm nach Hause

Marktl am Inn steht Kopf. Gleich gegenüber dem Wirtshaus „Oberbräu“ ist Papst Benedikt XVI. geboren worden. Hier ist er aufgewachsen. Und hierhin soll er bald möglichst zu Besuch kommen.

HB MARKTL. Im Wirtshaus „Oberbräu“ läuft am Dienstagabend pausenlos der Fernseher. Die versammelten Bürger der 2700-Einwohner-Gemeinde in Oberbayern halten Joseph Ratzinger allemal für fähig, neues Kirchenoberhaupt zu werden. „Er wäre der geeignete Papst“, meint etwa Josef Winichner, noch bevor der weiße Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle steigt. Allerdings gibt der 67-Jährige auch zu bedenken: „Das Amt wäre eine Zumutung für einen 78-Jährigen.“ Stolz auf ihren Ratzinger sind die Dorfbewohner so oder so, auch wenn die Wahl anders ausgegangen wäre.

Der ehrenamtliche Bürgermeister von Marktl, der Volksschullehrer Hubert Gschwendtner (SPD), hatte für den Fall der Fälle vorgesorgt und ein Fest auf dem Marktplatz vorbereitet. 300 Menschen, darunter viele junge, versammelten sich nach der Wahl trotz strömenden Regens spontan auf dem Platz und freuten sich mit "ihrem Joseph". Viele schwenkten Fähnchen in den weiß-gelben Farben des Vatikans. Einige ließen sich vor einem aufgestellten Foto Ratzingers fotografieren.

„Ich empfinde unwahrscheinlich große Freude“, sagte der Bürgermeister. Er habe nicht damit gerechnet, dass Ratzinger zum neuen Papst gewählt wird. „Ich habe vielmehr auf einen Kandidaten aus Lateinamerika getippt.“ Die Menschen an den Stammtischen der fünf Wirtshäuser von Marktl hatten daran gezweifelt, dass Ratzinger wirklich Papst werden wollte. „Ich glaube, der Ratzinger sagt im Konklave selber: Oh Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen“, gibt der pensionierte Schuhhausbesitzer Winichner die Meinung der Runde vor dem Erscheinen Ratzingers auf dem Balkon des Petersdoms wieder.

Gschwendtner will Papst Benedikt XVI. einladen, Marktl möglichst bald einen Besuch abzustatten. „Nicht sofort“ solle er kommen, meint der 56 Jahre alte Bürgermeister, „aber bald nach seiner Amtseinführung würden wir uns schon auf ihn freuen“. Ein Papst war schließlich noch nie in Marktl am Inn.

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