In sechs Tagen bis Manhattan: Mit der „Queen Mary 2“ von Southampton über den Atlantik
Schiffspastor mit Plastiksekt

Chris Barratt wusste bis zum Frühstück nicht, dass er an diesem Tag das größte Kreuzfahrtschiff der Welt besteigen und über den Atlantik fahren würde. Seine Freundin Dawn hatte ihm nur gesagt: Wenn du 40 wirst, dann nimm sechs Tage frei und pack’ einen Smoking ein.

In der Nacht feierten sie seinen Geburtstag bei London. Und an diesem Morgen gab Dawn ihm die Tickets.

Für dich. Mit der Queen Mary 2 nach New York.

Im wolkenverhangenen Hafen von Southampton strömen jetzt Hunderte Menschen in das Terminal. Fanfaren erklingen, an der langen Reihe der Schalter wird jeder für die Kreditkarte an Bord fotografiert; die eigene zählt nicht mehr.

Stundenlang drängen sich 2 200 Passagiere durch die überdachte Gangway auf den 72 Meter hohen Stahlkoloss. Ein schmales Fenster gibt den Blick frei auf eine schwarze Wand. Ganz oben schweben Rettungsboote.

Guten Tag, Königin.

Ein letzter Schritt bis zum Eingang, ein Spalt öffnet sich im Boden, in der Tiefe liegt steingraues Wasser.

Trenne dich, alte Welt. Jetzt.

Durch das Foyer zieht sich ein dicker, roter Teppich vor eine Balustrade. Eine Klaviermelodie erklingt, Kellner stehen Spalier und lächeln wie im Grand Hotel. Nur das „Plong, Plong“ der Treppe verrät, dass sie aus Stahl ist.

Als wir abgelegt haben und die Hafenkräne längst verschwunden sind, sitzt Barbara Phillips vor einem Fenster und schaut hinaus. Ihre Großmutter hatte 1921 die dreijährige Tochter an die Hand genommen und Polen ohne Gepäck verlassen. Auf einem Schiff nach Amerika.

Barbara lebte jahrelang mit ihrem Mann David in Europa. Nun kehrt sie zurück in die Neue Welt – auf dem Weg, den ihre Großmutter einst fuhr: „Sie war so mutig! Alles ließ sie hinter sich.“

In meiner Kabine auf Deck 5 ist es jetzt Nacht. Lampenlicht fällt auf Bett und Sofa, ein klassisches Hotelzimmer, nur die Zimmerdecke ist niedriger.

Vor dem Balkon ist es schwarz. Ein paar Sterne zeigen, wo der Himmel anfängt. In zehn Meter Tiefe spritzt weiße Gischt an den Rumpf, der angestrahlt wird von Scheinwerfern an Bord. Wir fliegen durch das All der Nacht.

Raumschiff Mary 2. Auf nach New York!

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