Indien, Bangladesch, Vietnam und Nepal
Uno: „Schlimmste Überschwemmungen seit Menschengedenken“

Der Monsun in Indien, Bangladesch, Vietnam und Nepal sorgt für die schlimmsten Überschwemmungen seit Menschengedenken. Die Betroffenen klagen über die ausbleibende Hilfe. Millionen von Flüchtingen stehen zurzeit ohne Versorgung da. Bisher sind fast 2 000 Menschen ums Leben gekommen, über 50 Millionen sind von der Flut betroffen.

HB NEU DELHI. Die Vereinten Nationen (Uno) kritisieren, dass die von der indischen Regierung bereit gestellten vier Hubschrauber angesichts von zehn Millionen Flutopfern allein im Bundesstaat Bihar bei weiten nicht ausreichten. Die Behörden wiesen die Kritik zurück. Es würden nun auch entlegene Gebiete mit Hochdruck aus der Luft versorgt.

Der 23-jährige Bauer Rupesh Kumar aus dem verarmten Bihar kann über solche Behördenerklärungen nur lachen. „Versorgung aus der Luft? Vergiss es.“ Seit Beginn der seit Menschengedenken schwersten Hochwasserkatastrophe vor 15 Tagen habe er nicht einen Hubschrauber oder ein Rettungsboot gesehen.

Tausende wütende Obdachlose warteten in Notunterkünften oder an Dämmen auf Hilfe. „Wir haben Hunger und sterben fast“, klagt verbittert die etwa 40 Jahre alte Radhika Devi. Sie haust mit zehn Verwandten in einem Bambusverschlag. In den vergangenen zehn Tagen hätten sie gerade ein Kilo Reis erhalten. „Das hat nicht mal für einen Tag gereicht.“

Während in Bihar Obdachlose auf Hilfe warteten, wurden im Bundesstaat Assam Kommunalpolitiker beim Diebstahl knapper Lebensmittel für die Flutopfer ertappt, wie die Polizei berichtete.

Durch den verheerenden Monsunregen kamen allein in Indien mindestens 487 Menschen ums Leben: Sie ertranken, erlitten tödliche Schlangenbisse, verhungerten oder kamen durch Stromstöße aus zerrissenen Überlandleitungen zu Tode. Insgesamt wurden in Indien 30 Millionen Menschen Opfer der Flut, in Bangladesch sind es 20 Millionen.

In Vietnam brachten Helfer am Dienstag Tausende Menschen nach einem schweren Regensturm in Sicherheit. Bei dem Unwetter in zentralen Hochland kamen nach offiziellen Angaben mindestens 14 Menschen ums Leben. Die Wassermassen schwemmten Menschen, Häuser sowie Reis- und Getreidepflanzen mit sich.

Hilfsorganisationen gehen von rund 20 Millionen Menschen aus, die vertrieben wurden. Millionen Menschen in Indien, Bangladesch und Nepal werden nach den schweren Monsun-Fluten laut Unicef noch über Wochen auf Hilfe angewiesen sein. „Auch wenn die Wassermassen langsam zurückgehen, sind vor allem Kinder und schwangere Frauen noch lange Zeit durch Mangelernährung und Krankheiten wie Durchfall, Malaria und Lungenentzündung bedroht“, betonte das Uno-Kinderhilfswerk am Dienstag in Köln.

In Bangladesch hätten die schlechten Hygiene-Verhältnisse bereits zu schwerem Durchfall bei 50 000 Menschen geführt. Die Behörden in Bangladesch sprachen von 120 Todesopfern binnen einer Woche. In mehreren indischen Bundesstaaten haben Unicef zufolge Hunderttausende alles verloren. Millionen Kinder in den Überschwemmungsgebieten können nicht zur Schule gehen. „Das Wasser sinkt langsam, aber die Not bleibt. Wir müssen die Menschen in den Überschwemmungsgebieten weiter mit sauberem Trinkwasser, Latrinen und Nahrung versorgen“, sagte Heide Simonis als Vorsitzende von Unicef Deutschland.

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