Industrie: "Deutschland wird sich nicht abkoppeln können"
Kennzeichnungspflicht für Gentechnik-Produkte

Für Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Zutaten gilt seit Sonntag eine Kennzeichnungspflicht. Hersteller zögern derzeit noch mit der Produktion entsprechender Ware.

HB BERLIN. Seit dem heutigen Sonntag gelten neue Regeln zur Kennzeichnung genveränderter Lebensmittel. Produkte, bei deren Herstellung gentechnisch veränderte Organismen eingesetzt wurden, müssen nun EU-weit für Kunden erkennbar sein. Hinweise sollen auf Verpackungen stehen, in der Zutatenliste der Lebensmittel oder an der Auslage vermerkt sein.

Dies gilt nun auch, wenn im fertigen Produkt keine Genspuren mehr zu entdecken und nachzuweisen sind. Im Restaurant ist ein Hinweis auf der Speisekarte vorgeschrieben. Ausgezeichnet werden müssen jedoch nur die Waren, die nach dem 18. April hergestellt werden. Für Lebensmittel, die bereits zum Verkauf angeboten werden, gilt die neue Kennzeichnungspflicht nicht.

Produkte von Tieren, die mit genverändertem Futter gefüttert wurden, sind generell von der Regelung ausgenommen. Dies hatte Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) mehrfach kritisiert.

Auch ihre Parteikollegin, Nordrhein-Westfalens Verbraucherministerin Bärbel Höhn, kommentierte die Tatsache, dass Eier, Fleisch und Milchprodukte von der am Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel ausgenommen sind nun als «ein großes Defizit». Im Deutschlandradio Berlin sagte sie am Samstag, die EU vertrete den Standpunkt, es sei bisher nicht erwiesen, dass sich die gentechnische Veränderung von Pflanzen auf Erzeugnisse der damit gefütterten Tiere auswirke. Es wäre jedoch für die Verbraucher «fairer und offener», wenn diese Produkte dennoch gekennzeichnet würden.

Lebensmittelhersteller halten es auf lange Sicht für unvermeidbar, gentechnisch veränderte Pflanzen zu verwerten. «Wir werden uns in Deutschland nicht abkoppeln können, wenn wir nicht verhungern wollen», sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Peter Traumann, der «Berliner Zeitung» vom Samstag. Er halte für sehr wahrscheinlich, dass ohne Gentechnik produzierte Lebensmittel langfristig deutlich teurer würden.

Vorerst werde die Lebensmittelindustrie in Deutschland allerdings auf genmanipulierte Zutaten verzichten. «Es wird sich erst mal gar nichts ändern», sagte Traumann.

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