Internationale Hilfe zugesagt
Karibik-Fluten fordern fast 1000 Menschenleben

Allein in Haiti kamen bei den Hochwassern mehr als 700 Menschen ums Leben, meldete der Sender Radio Métropole am Mittwochabend. Einst ausgtrocknete Seen entwickelten sich zu reissenden Flüssen und überraschten die Einwohner.

HB SANTO DOMINGO/PORT-AU-PRINCE. In der Dominikanischen Republik erhöhte sich die Zahl der Opfer in der Grenzstadt Jimaní auf 300. Es ist die seit Jahrzehnten schwerste Naturkatastrophe auf der Karibikinsel Hispaniola, die sich die beiden Länder teilen. Im November 1994 hatte der Tropensturm „Gordon“ in Haiti mehr als 500 Menschenleben gefordert.

Den Radioberichten zufolge starben bei den Hochwassern, die Haiti zu Wochenbeginn heimgesucht hatten, allein im Department Süd-Ost 500 Menschen, davon 300 in dem Hafenstädtchen Grand Gosier im äußersten Südosten des Landes. Noch keine genauen Informationen gab es am Abend aus dem von Grand Gosier rund 15 Kilometer landeinwärts gelegenen Bergdorf Mapou, wo es ebenfalls Tote gegeben haben soll. In der nordöstlich von Port-au-Prince nahe der Grenze zur Dominikanischen Republik gelegenen Gemeinde Fonds Verettes wurden 158 Tote gefunden.

Auf der anderen Seite der Grenze erhöhte sich die Zahl der Toten der Kleinstadt Jimaní am Mittwoch auf 300. Rund 375 Menschen wurden noch vermisst. Sowohl in Jimaní als auch in Fonds Verettes wurden die Menschen zu Opfern eines unter den Namen Rio Soleil und Rio Blanco bekannten Flusses. Dieser Fluss, der in den Bergen in Haiti entspringt und in der Dominikanischen Republik in den Enriquillo-See mündet, ist die meiste Zeit austrocknet. Nach tagelangen Regenfällen war er aber plötzlich zu einem reißenden Strom angeschwollen, der in der Nacht zum Montag die Menschen im Schlaf überrascht. An die Trockenheit gewohnt, hatten diese ihre Hütten zu weit ins Flussbett hinein gebaut.

Am Mittwoch besuchte Haitis Ministerpräsident Gerard Latortue Fonds Verettes, wo die Wassermassen schon wieder abgeflossen waren. Das Welternähungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen sagte 200 000 US-Dollar (165 000 Euro) als Soforthilfe für Haiti zu. Die deutsche Botschaft in Santo Domingo wollte am Donnerstag Lebensmittel im Wert von 20 000 Euro nach Jimaní (rund 280 Kilometer westlich von Santo Domingo) schicken. In Haiti waren seitens der Botschaft ähnliche Aktionen geplant. Die Wetterlage hatte sich bis zum Mittwoch wieder beruhigt.

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