Internationale Verständigung
Das Englische als Quelle der Enttäuschung

Englisch ebnet nicht immer den Weg zu einer besseren internationalen Verständigung. Viele Nichtmuttersprachler können in Diskussions- und Verhandlungssituationen auf Englisch oft nicht mithalten. Für sie kann die „Lingua franca“ der Geschäftswelt zu Frustration und Verhandlungsnachteilen führen.

DÜSSELDORF. Die Linguistin Pamela Rogerson-Revell von der Universität Leicester hat für eine Studie Mitglieder des europäischen Versicherungsverbandes GCAE (Groupe Consultatif Actuariel Européen) über ihren Sprachgebrauch des Englischen befragt. Dabei zeigte sich, dass Nicht-Muttersprachler in Diskussions- und Verhandlungssituationen auf Englisch oft nicht mithalten können – zum Vorteil der Briten und Iren, deren Position dadurch gestärkt wird.

Die Forscherin berichtet beispielsweise von einem Teilnehmer, der sich während einer Diskussion einen Redebeitrag zurechtlegte und dann bemerkte, dass die Diskussion schon weiter fortgeschritten war. Ein anderer erzählte, dass ihm mitten im Satz ein entscheidender englischer Fachbegriff entfallen war. Unangenehme Situationen, die unzählige Nicht-Angelsachsen auf internationalem Parkett schon schmerzlich erfahren haben.

„Solche Enttäuschungen können alle erleben, die sich unwillig oder unfähig fühlen, aktiv teilzunehmen – ob das nun an sprachlichen, beruflichen oder soziokulturellen Unterschieden liegt“, schreibt Rogerson-Revell. Der Versicherungsverband hat mittlerweile eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die untersuchen soll, „wie man eine aktivere Teilnahme der nicht Englisch Sprechenden bewirken“ könnte, um die „Vorherrschaft angelsächsischer Ansichten“ zu korrigieren.

Mit der Stellung des Englischen als Lingua franca geht einher, dass britische Führungskräfte kaum eine Fremdsprache sprechen (nur 39 Prozent), während in vielen anderen europäischen Ländern rund 90 Prozent der Entscheider mindestens eine Fremdsprache (darunter in der Regel Englisch) beherrschen. Die Schwierigkeit, in einer Fremdsprache zu verhandeln, ist Englisch-Muttersprachlern aus eigener Erfahrung daher meist gar nicht bekannt. Das kann auch dazu führen, dass sie die Englisch-Fähigkeiten ihrer Gesprächspartner mit deren Intelligenz verwechseln.

Die angelsächsische Fremdsprachenignoranz bedeutet aber auch einen ökonomischen Nachteil: Einer Studie von Stephen Hagen von der Universität Warwick zufolge sind diejenigen Firmen am erfolgreichsten im grenzüberschreitenden Geschäft, die neben Englisch auch noch Französisch und Deutsch kommunizieren können.

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