Interview Initiative Vermisste Kinder
„Überlebenschance beträgt wenige Stunden“

Wird ein Kind vermisst, kommt es auf schnelles Handeln an. Nach Ansicht der Initiative Vermisste Kinder ist die föderale Polizeistruktur in Deutschland allerdings zu schwerfällig. Eine zentrale Dienststelle sei nötig.
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HamburgDeutschland braucht nach Ansicht der Initiative Vermisste Kinder eine zentrale Polizeidienststelle zur Öffentlichkeitsfahndung nach Entführungsfällen. Ein entführtes Kind überlebe aller Erfahrung nach nicht den ersten Tag, erklärt der Vorsitzende der Hamburger Initiative Vermisste Kinder, Lars Bruhns (34), in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Wenn die Einschaltung der Öffentlichkeit sinnvoll sei, müsse dies innerhalb von Stunden geschehen. Die föderale Polizeistruktur in Deutschland sei zu schwerfällig.

Wie suchen Sie nach vermissten Kindern im Internetzeitalter?

Vor fünf Jahren haben wir die Plattform „Deutschland findet euch“ auf Facebook eröffnet. Damit haben wir ungefähr eine Reichweite von gut einer Million Menschen innerhalb eines Tages. Mittlerweile hat fast jeder eine Facebook-Seite, ob das Fernsehen, Radio oder Privatleute sind, die auch Vermisstenmeldungen teilen. Teilweise ist weder die Quelle geklärt, noch was für ein Vermisstenfall das ist. Auch im Fall der fünfjährigen Inga aus Sachsen-Anhalt haben Sie jetzt unzählige Seiten bei Facebook, wo Sie gar nicht sehen, wer dahintersteht. Da ist unser Wunsch, dass das von der Polizei kanalisiert werden sollte.

Wie könnte die Suche dadurch verbessert werden?

Der Zeitablauf muss sehr viel schneller sein. Bei Fällen, in denen Kinder entführt wurden, beträgt die Überlebenschance wenige Stunden. Es gibt fast keinen Fall aus der Vergangenheit, wo das Kind den Tag der Entführung überlebt hat. Das ist natürlich sehr bitter. Die Öffentlichkeitsfahndung in den ersten Stunden dient ausschließlich dazu, das Leben des Kindes zu retten. Es braucht in diesen Fällen diese große Aufmerksamkeit, die von der Polizei zentral gesteuert wird. Die föderalen Strukturen sind schwerfällig. Es ist dringend an der Zeit, dass sich da etwas bewegt. Andere Länder haben das längst umgesetzt und gezeigt dass es funktioniert.

Können Sie ein Beispiel nennen?

In Polen beispielsweise wurde vor zwei Jahren eine Polizei-Sondereinheit ausschließlich für vermisste Kinder und Jugendliche etabliert. Es sind 20 Beamte, die 24 Stunden täglich im Schichtdienst tätig sind. Die beobachten alle Vermisstenfälle des gesamten Landes und eruieren, in welchen Fällen welche Maßnahmen zusätzlich nötig wären. Die Öffentlichkeitsfahndung kann von denen zentral gesteuert werden.

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