Interview mit Zukunftsforscher Matthias Horx
„Alles wird gut“

Geht es nach Zukunftsforscher Matthias Horx, sind die Deutschen echte Miesepeter. In seinem neuen Buch „Wie wir leben werden – unsere Zukunft beginnt jetzt“, wirft er einen optimistischeren Blick in die Zukunft unserer Gesellschaft. Sein Credo: nicht jammern, lernen!

DÜSSELDORF. Mit Bildung, so der Trendforscher im Handelsblatt-Interview, ließen sich die meisten Probleme der modernen Gesellschaften lösen. Da es ohnehin nicht zu verhindern sei, dass industrielle Jobs ins Ausland abwanderten oder automatisiert würden, müsse man sich eben auf kreativere Arbeiten konzentrieren. Horx spricht sogar von einem neuen Klassenbegriff, der „kreativen Klasse“. „Das sind Menschen, die ihre Arbeit selbständig gestalten“, sagt er. Gegenspieler dieser Klasse sind die „reproduzierenden Arbeiter“, die ausschließlich Weisungen befolgen.

Für alle nicht-Kreativen bliebe dann ebenfalls der Dienstleistungssektor. Da Familien aus der „kreativen Klasse“ in Zukunft wenig Zeit zur Haushaltsführung bliebe, könnten viele Menschen ihr Auskommen zum Beispiel als Haushaltshilfe oder in der Kinderbetreuung finden. Auch Alter soll in Zukunft kein Problem mehr sein: „Unsere ganze Auffassung von Gesellschaft wird sich verschieben. Vielleicht kriegen wir in Zukunft erst mit 50 Jahren Kinder oder lernen mit 60 noch einen neuen Beruf.“

Um den die nötigen Grundlagen für eine solche Gesellschaft zu bilden, fordert Horx vor allem ein völlig neues Bildungssystem. „Frontalunterricht ist antiquiert. Lernen muss Erleben sein“, sagt er. Außerdem dürfe damit nicht irgendwann Schluss sein, der Lernprozess müsse sich ein Leben lang fortsetzen.

Diese Entwicklung zu begleiten sei Aufgabe der Politik. Die müsse sich vor allem als Ordnungskraft beweisen, die sowohl international als auch auf lokaler Ebene für Sicherheit und Verlässlichkeit sorgt. „Regierungen auf nationaler Ebene werden an Macht verlieren, besonders in großen Staaten wie Deutschland. Sie sind einfach nicht flexibel genug.“

Am Ende müsse die Einteilung in rechts und links überwunden werden. „Es muss zum Beispiel möglich sein, dass gleichzeitig der Kündigungsschutz gelockert und ein Mindestlohn eingeführt wird“, so der Zukunftsforscher. „Das geht zurzeit aber nicht, weil die Parteien entweder beides oder gar nichts fordern.“ Ein Zukunftsbündnis dagegen könnte parteiübergreifend agieren und müsste Elemente aller Volksparteien enthalten, sich aber deren Machthülsen der politischen Positionierung entledigen.

Horx sieht die Menschheit bereits jetzt auf einem guten Weg, diese Veränderungen zu bewirken. Viele Länder seien bereits weiter als Deutschland, und weltweit lebten mehr Menschen in Wohlstand als irgendwann zuvor in der Geschichte. „Wir wollen das aus unserer miesepetrigen mitteleuropäischen Lage heraus nur nicht sehen.“, sagt Horx. „Es ist nicht alles gut, aber es wird immer besser.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%