Interview TÜV Rheinland-Experte
„Reisebusse sind die sicherste Art zu reisen"

Die Fachleute in der Schweiz rätseln über die Ursache des Busunglücks. Hierzulande herrschen strenge Sicherheitsstandards. Im Zweifelsfall sollten Reisende die Polizei rufen, rät Kraftfahrtexperte Hans-Ulrich Sander.
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DüsseldorfHandelsblatt Online: Gestern, am Dienstagabend, ereignete sich das tragische Busunglück in einem Autobahntunnel im Schweizer Kanton Wallis. Der Bus raste gegen die Tunnelwand. Erste Vermutungen gingen in die Richtung, dass der Busfahrer eingeschlafen ist. Wie kann so etwas passieren?

Hans-Ulrich Sander: Da wir es hier noch mit Vermutungen zu tun haben, möchte ich keine voreiligen Schlüsse ziehen. Aus 30jähriger Erfahrung weiß ist, dass ein Großteil der Fehler bei einer Tunneldurchfahrt - etwa 90 Prozent - beim Fahrer liegen. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass eine Tunneldurchfahrt auch immer eine besondere Herausforderung an den Fahrer stellt. Es fehlt die sonst gegebene Orientierung und somit das Geschwindigkeitsgefühl, man kann es sich vorstellen wie bei einer Fahrt durch den Nebel. Diese Stresssituation und die erhöhte psychologische Belastung können bei manchen Fahrern zu Fehlverhalten, sogar zu Angstzuständen führen. Dennoch zeigen Statistiken, dass es deutlich unsicherer ist, mit dem eigenen PKW zu fahren.

Apropos Sicherheit. Was für Sicherheitskriterien gelten für Fahrer und Fahrzeug?

Fahrzeugtechnisch liegt eine hohe Kontrolle in Deutschland vor. So müssen Busse, die älter als eineinhalb Jahre sind regelmäßig zu Haupt- und Zwischenkontrollen. Sicherheitsprüfungen finden also alle drei Monate statt. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Ferner können Polizei und BAG - BAG steht für Bundesamt für Güterverkehr - Fahrzeuge aktiv aus dem Verkehr ziehen. Und das tun sie auch!

Und für den Fahrer selbst?

Die Fahrerlaubnis erfordert eine hohe Qualifikation. Außerdem gibt es regelmäßige Weiterbildungen und Schulungen, zum Beispiel für den richtigen Umgang mit Reisepassagieren, für die Fahrer. Hinzu kommt, dass die Fahrer sich alle fünf Jahre einem ärztlichen und psychologischen Test unterziehen müssen. Stellen Sie sich das vor, wie wenn man zum Arzt zum Routinecheck geht. Es werden Sehtests gemacht, Blutdruck gemessen und die allgemeine Gesundheit geprüft. Daneben steht dann der psychologische Belastungstest: Hier werden Stresssituation am PC simuliert, so muss man beispielsweise Aufgaben in engem Zeitfenster lösen.

Dennoch kommt es immer wieder zu solchen Unfällen wie jetzt in der Schweiz. Gibt es denn keine Risiken bei der Sicherheit für Reisebusse, die sich Ihrer Ansicht nach mit weiterreichenden Gesetzen minimieren lassen würden?

Zur Zeit wird über einen Notbremsassistenten in den Bussen diskutiert - der ist allerdings noch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Dieser berechnet aufgrund der eigenen Geschwindigkeit den optimalen Abstand zu anderen Fahrzeugen und unterstützt den Fahrer im Bremsvorgang, stellt also eine Entlastung dar. Viele Busunternehmen nutzen Fahrerassistenzsysteme allerdings jetzt schon freiwillig, Beispiele wären hier Spurhalteassistenten, ein Tempomat etc. Eine gesetzliche Vorschrift wäre dennoch sinnvoll.

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Im Zweifel: Polizei anrufen!

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