Interview: „Wachstum auf ein Prozent geschrumpft"

Interview
„Wachstum auf ein Prozent geschrumpft"

Für den Direktor des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA, Babatunde Osotimehin (Nigeria), ist es ein Erfolg, dass die WEltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Hürde nimmt.. Die Menschen leben länger und gesünder, sagt er.
  • 0

New YorkVor nur 12 Jahren feierte die Menschheit ihr sechsmilliardstes Mitglied. Tun wir genug, um das Wachstum der Weltbevölkerung unter Kontrolle zu bekommen?

Osotimehin: „Wir sprechen nicht gern über Bevölkerungskontrolle. Unser Ziel ist, Frauen zu bemächtigen, nur so viele Kinder in die Welt zu setzen, wie sie wirklich wollen. Ja, die Weltbevölkerung
nimmt weiter zu, aber die Wachstumsrate sinkt. Seit dem Höchststand von etwa zwei Prozent Wachstum in den 1960er Jahren ist die Rate jetzt auf etwa ein Prozent geschrumpft. (...) Ich meine, dass die
Länder die Frage ihres Bevölkerungswachstums inzwischen ernster nehmen. Das ist ein Fortschritt.“

Wie können wir sicherstellen, dass sieben Milliarden Menschen Nahrung haben und genügend Arbeit für einen angemessenen Lebensstandard?

„Das ist genau das, wofür sich die globale Gemeinschaft ins Zeug legen muss. Die Nahrungsmittelproduktion muss zunehmen und das Verteilsystem muss verbessert werden. Denn selbst, wenn Nahrung in einem Teil der Erde .... über ist, erreicht sie keineswegs immer den anderen Teil, der sie unbedingt braucht. Wir müssen dafür sorgen, dass ganz besonders in den Entwicklungsländern mehr Nahrung erzeugt wird.“

Welcher Bereich bereitet Ihnen die meisten Sorgen: Der Mangel an Nahrung, an Trinkwasser, an Bildung oder Jobs in den sich noch entwickelnden Ländern?

„Das hängt alles miteinander zusammen. Am meisten liegt mir die Jugend am Herzen. Ich wünschte mir, die Welt würde den jungen Leuten mehr Beachtung schenken, ihrer Erziehung und Ausbildung, ihrer Einbindung in die Gesellschaft und in die Politik, ihrer Chance, Arbeit zu finden, und den Möglichkeiten zur Familienplanung.“

Hoch entwickelten Ländern wie Deutschland und Japan mangelt es an Nachwuchs, um den altersbedingten Bevölkerungsabbau auszugleichen. Wie kommt es, dass junge Familien in Deutschland nur begrenzt auf die Vergünstigungen ansprechen, die ihnen weiterer Nachwuchs bringen würde?

„Familienpolitik muss politisch, also ganzheitlich sein. Sie muss Frauen, die Kinder in die Welt setzen, die Möglichkeit zum Arbeiten und zur Rückkehr in ihre Jobs bieten. Entscheidend ist, dass Frauen nicht zu Verlierern werden, weil sie Kinder haben.“

Kommentare zu " Interview: „Wachstum auf ein Prozent geschrumpft""

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%