Intuition
Nicht zu lange nachdenken!

Intuition ist kein Hokuspokus, sondern muss als Methode der Entscheidungsfindung ernst genommen werden, empfehlen Psychologen. In manchen Situationen verlässt man sich besser auf sein Bauchgefühl.

An einem Zeitungsstand greifen Sie immer gleich zum Handelsblatt. Sie denken – hoffentlich – nicht lange nach und überlegen nicht, ob die 1,90 Euro gut angelegt sind. Sie folgen Ihrer Intuition. Gut so.

Der Verstand ist eher ein Präzisionsinstrument, das zum Beispiel Vor- und Nachteile gegeneinander abwägt. Bei intuitiven Entscheidungen hingegen verarbeitet das Gehirn eine Fülle anderer Informationen, die am bewussten Verstand vorbeigehen. Vielleicht haben Sie schon selbst erfahren, dass besonders informationsreiche und verlässliche Artikel im Handelsblatt stehen. Aber am Kiosk denken Sie wahrscheinlich nicht bewusst an diese Erfahrungen.

Ein bekanntes Beispiel für unbewusste Entscheidungen ist der „Cocktailparty-Effekt“: Auch wenn man gerade in ein angeregtes Gespräch vertieft ist, wird man hellhörig, sobald woanders der eigene Name fällt. Obwohl man sich mit dem Verstand auf das eigene Gespräch konzentriert, „beobachtet“ das Unterbewusstsein auch die Gespräche um uns herum, und die Erwähnung des eigenen Namens lässt sofort aufhorchen.

Doch obwohl jeder Mensch laufend intuitiv handelt, werden die Vorzüge der Intuition, des „Bauchgefühls“, oft verkannt: „Wir müssen erst lernen, der Intuition wieder den Stellenwert zu geben, den sie verdient“, sagt Gerd Gigerenzer, Psychologe und Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

Auch Gerald Hodgkinson von der Leeds University Business School fordert, die Intuition nicht als Hokuspokus abzutun. Sie habe eine neurophysiologische Grundlage im Gehirn. Wie er in einem aktuellen Aufsatz im „British Journal of Psychology“ darlegt, verwendet das Gehirn bei Intuitionen „Aufzeichnungen“ aus der Vergangenheit und gleichzeitig Hinweise aus der gegenwärtigen Umgebung. Dabei arbeite es so schnell, dass der Denkprozess von der betreffenden Person nicht mehr nachvollzogen werden kann.

„Menschen haben häufig dann eine Intuition, wenn sie unter starkem Zeitdruck stehen oder sich in akuter Gefahr befinden, wenn also eine bewusste Analyse der Situation schwierig oder gar nicht möglich ist“, sagt Hodgkinson. Dazu zitiert er ein in der Fachliteratur häufig erwähntes reales Ereignis: Ein Formel-1-Fahrer verspürte plötzlich den Drang, seinen Wagen abzubremsen. Eigentlich war das „unvernünftig“, denn er lag in Führung. Tatsächlich aber hatte sich hinter der nächsten Kurve ein Unfall ereignet – den der Fahrer aber nicht sehen konnte. Nach dem Rennen zeigte man ihm ein Video der Situation. Und hier wurde sichtbar, dass die Zuschauer, die eigentlich ihn hätten ansehen sollen, alle wie gebannt und mit vor Entsetzen starren Gesichtern in die entgegengesetzte Richtung blickten. Dies, so erklärt Hodgkinson, habe der Rennfahrer für den Bruchteil einer Sekunde wahrgenommen. Deshalb habe er abgebremst, obwohl er sich danach nicht mehr daran erinnerte, die Zuschauerränge überhaupt beachtet zu haben. Er erinnerte sich nur an das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte.

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