Inzest-Prozess
Fritzl bereut „aus ganzem Herzen“

Der Inzest-Täter Josef Fritzl soll nach dem Willen der Anklage lebenslang in Haft. Staatsanwältin Christiane Burkheiser plädierte am Donnerstag vor dem Landesgericht St. Pölten auf die Höchststrafe. Fritzl äußerte in seinem Schlusswort Reue über seine Taten.

HB ST. PÖLTEN. Sein Verteidiger widersprach dem Vorwurf des Mordes, den Fritzl allerdings bereits eingeräumt hat. Nach einstündiger Verhandlung am vierten Prozesstag zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Das Urteil wurde am Mittag erwartet.

Anders als zu Prozessbeginn verbarg Fritzl nicht mehr sein Gesicht. „Ich bereue es aus ganzem Herzen, was ich meiner Familie angetan habe“, sagte er mit schwacher und zittriger Stimme. „Ich kann es leider nicht mehr gut machen. Ich kann nur schauen, den Schaden nach Möglichkeit zu begrenzen.“

Der 73-Jährige hatte seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang in einem engen, stickigen und feuchten Verlies im Keller seines Hauses gefangengehalten, vergewaltigt und sieben Kinder mit ihr gezeugt. Eins der Kinder starb 1996 kurz nach der Geburt. Fritzl hatte selbst eingeräumt, dass er hätte für Hilfe sorgen müssen. „Jeder Laie hätte erkennen können, dass das Kind 66 Stunden lang mit dem Tod rang“, sagte die Staatsanwältin. Fritzls spätes Schuldbekenntnis sei eigentlich gar kein Geständnis gewesen, sagte sie und appellierte an die Geschworenen, ihm „nicht in die Falle“ zu gehen wie Elisabeth.

Auch deren Vertreterin Eva Plaz argumentierte, die Einlassungen des Angeklagten seien kein Geständnis gewesen und sollten sich nicht strafmildernd auswirken. Fritzls Anwalt Rudolf Mayer hob hervor, dass sein Mandant 24 Jahre lang Schuldgefühle gehabt habe. Seiner Ansicht nach habe es sich auch nicht um Mord gehandelt.

Mayer bestätigte zudem, dass Elisabeth zuvor selbst im Gerichtssaal war. AP hatte bereits aus unterrichteten Kreisen erfahren, dass die 42-Jährige anwesend war, während die Videoaufnahme mit ihrer Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgespielt wurde. Nach diesem insgesamt elfstündigen Bericht über das Martyrium hatte Fritzl dem Anwalt zufolge entschieden, sich auch in den Anklagepunkten Mord und Sklaverei schuldig zu bekennen.

Weitere Anklagevorwürfe lauten auf Sklaverei, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Nötigung und Inzest. Darauf stehen Haftstrafen bis zu 20 Jahren. Für den Fall einer zeitlich begrenzten Freiheitsstrafe hat die Staatsanwaltschaft beantragt, den laut psychiatrischem Gutachten schwer gestörten und anhaltend gefährlichen Täter anschließend unbefristet in einer geschlossenen Anstalt unterzubringen.

Nach dem Urteilsspruch haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung drei Tage Zeit zu entscheiden, ob sie in Berufung gehen. Damit steht spätestens am Dienstag fest, ob der Urteil rechtskräftig ist oder nicht, wie Gerichtssprecher Franz Cutka erklärte.

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