Inzest-Prozess
Fritzl gesteht Mord und Sklaverei

Vor dem Schwurgericht in St. Pölten hat sich der 73-jährige Josef Fritzl unerwartet des Mordes für schuldig bekannt. Er sei verantwortlich für den Tod eines Babys, das er mit seiner Tochter Elisabeth in seinem Kellerverlies gezeugt hatte.

HB ST. PÖLTEN. Beim Inzest-Prozess von St. Pölten hat der Angeklagte Josef Fritzl überraschend auch Mord und Sklaverei eingestanden. „Ich bekenne mich schuldig der angelasteten Straftaten im Sinne der Anklage“, sagte Fritzl am Mittwoch vor Gericht. Für Mord drohen ihm zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft. Bei einem Schuldspruch wegen Sklaverei könnte Fritzl zu zehn bis 20 Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Bislang hatte der 73-Jährige die schwersten Delikte der Anklage zurückgewiesen und seine Schuld nur bei den Vorwürfen Inzest und Freiheitsentzug eingeräumt. Bei den Anklagepunkten Vergewaltigung und schwere Nötigung hatte er sich für teilweise schuldig erklärt. Die Zeugenaussage seiner Tochter, die vor Gericht auf Video gezeigt wurde, dürfte ihn aber zu einem umfassenden Schuldeingeständnis bewogen haben.

Am dritten Prozesstag verbarg Fritzl seinen Kopf nicht mehr hinter einer Aktenmappe, sondern zeigte schon beim Betreten des Verhandlungssaals sein Gesicht. Zuschauer und Journalisten waren bei dem Verfahren wieder zugelassen. Zum Schutz der Opfer war die Öffentlichkeit bei der Vernehmung Elisabeths an den ersten beiden Tagen ausgeschlossen. Die 42-Jährige ist die wichtigste Zeugin. Ihre Aussage per Video dauerte elf Stunden.

Fritzl hatte seine Tochter 24 Jahre lang im Keller unter seinem Haus in Amstetten eingesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Des Mordes ist er angeklagt, weil ein Baby kurz nach der Geburt starb. Fritzl soll dem lebensbedrohlich erkrankten Säugling die Hilfe versagt haben.

Die österreichische Tageszeitung „Kurier“ berichtete, Elisabeth sei am zweiten Prozesstag heimlich ins Landesgericht gekommen. Sie wollte dem Bericht zufolge „sehen und hören wie sich ihr Vater verantwortet“. Fritzls Verteidiger Rudolf Mayer bestätigte den Besuch nicht. Elisabeth plane, ein Buch zu schreiben, und habe Eindrücke sammeln wollen, hieß es in der Zeitung.

Fritzls Tochter und ihre sechs Kinder leben unter neuer Identität an einem geheim gehaltenen Ort. Drei von ihnen waren mit ihrer Mutter von Geburt an in dem schalldichten Verlies ohne Tageslicht und Frischluft eingeschlossen. Drei weitere Kinder hatte Fritzl mit seiner Ehefrau in einer Wohnung über dem Verlies großgezogen. Gegenüber seiner Familie hatte Fritzl behauptet, Elisabeth sei in einer Sekte untergetaucht und habe ihm die Kinder anvertraut.

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