Iran
Rettungskräfte stoppen Suche nach Erdbebenopfern

Im Iran gibt es fast wöchentlich Erdbeben, aber dieses Wochenende wurde das Land besonders hart getroffen. Zigtausende sind obdachlos, weit über 200 starben. Doch trotz großer Not will das Land keine Hilfe von außen.

Teheran/WashingtonMindestens 250 Tote, mehr als 2.600 Verletzte und verwüstete Dörfer: Das ist bislang die traurige Bilanz der zwei schweren Erdbeben im Nordwesten Irans. Die Einsatzkräfte hätten die Suche nach Überlebenden am Sonntag eingestellt, berichtete das Staatsfernsehen. Für mehr als 16.000 Obdachlosen seien bereits mehr als 5.000 Zelte errichtet worden, sagte der mit den Bergungsaktionen betraute Regierungsvertreter Ahmed Resa Dschadschiei.

Bei den zwei Erdstößen waren am Samstag mindestens 20 Dörfer zerstört und mehr als 130 zum Teil schwer beschädigt worden. Während Außenminister Guido Westerwelle (FDP) dem Iran die Hilfe Deutschlands anbot, gedachte Papst Benedikt XVI. in seinen Angelusgebeten der Opfer und bekundete seine Solidarität mit den Überlebenden.

Das erste Beben der Stärke 6,3 ereignete sich nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) um 16.23 Uhr (Ortszeit) nordöstlich der Millionenstadt Täbris. Laut Fernsehbericht lag das Epizentrum zwischen den Städten Ahar und Haris, rund 500 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Teheran. Elf Minuten später folgte demnach das zweite Erdbeben mit einer Stärke von 6,1. Den Angaben zufolge lag das Epizentrum dabei lediglich 48 Kilometer nordöstlich von Täbris. In der Nacht gab es dann 36 Nachbeben.

Von den Erschütterungen betroffen waren die Städte Ahar, Haris und Varsakan in der Provinz Ost-Aserbaidschan. Mindestens 20 Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, 133 weitere zu 50 bis 80 Prozent zerstört. Chalil Saei, Leiter des örtlichen Krisenstabs, rief die Menschen dazu auf, ihre Häuser zu verlassen und die Nacht in Parks und auf offenen Plätzen zu verbringen.

Auf Fernsehbildern waren Menschen zu sehen, die auf Bahren in Krankenhäuser gebracht wurden. Andere ließen sich dort bereits wegen gebrochener Gliedmaßen und Gehirnerschütterungen behandeln. Dutzende Familien schliefen derweil in Parks auf Decken, die notdürftig auf dem Boden ausgebreitet worden waren. Einige weinten, andere zitterten in der vom Erdbeben heimgesuchten Gebirgsregion vor Kälte.

„Als das Beben zuschlug, war das so, als ob eine Schlange zubeißt. Es war die schlimmste Erfahrung meines Lebens“, sagte der Anwohner Mortesa Dschawid. Er habe in der Nacht mit seinem Auto mehr als ein Dutzend Verletzte in Krankenhäuser gefahren.

Naimeh Alapur verließ in Panik ihr Haus in Täbris, als sie das Beben spürte. „Ich schnappte mir einfach mein Kind und rannte die Treppen herunter. Der Aufzug war kaputt. Ich weiß nicht, wie ich die neun Stockwerke herunterlaufen konnte“, erzählte sie. „Es fühlte sich wie das Ende der Welt an.“

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