Islam
Der Kampf um den Propheten

Eine Weltreligion in ihren Grundsätzen zu kritisieren, ist eine heikle Angelegenheit. Der Saarbrücker Religionswissenschaftler Karl-Heinz Ohlig hat sich den Islam als Ziel ausgesucht und vertritt eine zunächst unglaubliche These: Der Prophet Mohammed soll niemand anderer als Jesus von Nazareth sein.

DÜSSELDORF. Karl-Heinz Ohlig fährt schwere Geschütze auf: Ein großerTeil der traditionellen muslimischen Vorstellung über die Entstehung des Islams sei völlig falsch. „Dafür haben wir handfeste Argumente“, sagt der Leiter der Arbeitsstelle für Religionswissenschaft der Universität Saarbrücken.

Mit dem von ihm herausgegebenen Buch „Der frühe Islam“ (Verlag Hans Schiler, 2007) stemmt er sich gegen den Glauben von über einer Milliarde Muslimen – und gegen die etablierte Wissenschaft in Deutschland: Ohlig unterstellt den meisten Islamwissenschaftlern, sie trauten sich aus Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Muslime nicht, kritisch nach der Wahrheit zu forschen. Die Angegriffenen werfen ihm wiederum Rücksichtslosigkeit vor.

Kern des Streits sind die ersten 200 Jahre des Islams. Nach reinem muslimischem Glauben trug es sich folgendermaßen zu: 570 wird Mohammed in Mekka geboren. Vom Erzengel Gabriel empfängt er das Wort Allahs und verkündet: „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet.“ Im polytheistischen Mekka macht er sich damit Feinde und flieht 622 nach Medina (das Jahr null der islamischen Zeitrechnung). Dort wächst seine Anhängerschaft. Rund 20 Jahre nach Mohammeds Tod werden seine Verkündigungen aufgeschrieben, daraus entsteht der Koran. Zusammengeschweißt durch ihren Glauben, erobern Mohammeds Anhänger in weniger als einem Jahrhundert die Arabische Halbinsel, den Vorderen Orient und Persien, besetzen Nordafrika und dringen bis nach Spanien vor. „Ein gläubiger Moslem sieht den Koran als das unverfälschte Wort Gottes, das jenseits jeder Kritik und Erforschung steht“, sagt der Ägypter Hamed Abdel-Samad, Islam-Historiker an der Universität Erfurt.

So wie die Entstehung der Bibel spätestens seit der Aufklärung hinterfragt wird, müsse endlich auch die Entstehung des Korans im Sinne der Wissenschaft kritisch beleuchtet werden, fordert Karl-Heinz Ohlig,. Das sei bislang kaum der Fall gewesen. Wenn man es aber tue, so zeige sich, dass es ganz anders lief, als die Muslime glauben.

Zweifel seien allein deshalb schon angebracht, weil keine Originalquellen über Mohammeds Leben existieren. Den Koran gebe es in seiner ersten kompletten Fassung seit dem Jahr 870 – über zwei Jahrhunderte nach Mohammeds Tod. Was bis dahin tatsächlich passiert sei, liege weitgehend im Dunkeln.

Dass die Araber erfolgreiche Eroberer waren, ist unstrittig. Doch waren sie tatsächlich auch vom Islam beseelt, wie es die Tradition wissen will? Verdächtig findet Ohlig, dass niemand etwas in der frühen Zeit über eine neue Religion der Eroberer notiert hat. Und das, obwohl etwa die Byzantiner fleißige Schreiber waren und Unmengen Literatur produziert haben. Aber davon, dass die neuen Herrscher islamisch waren, „war nie die Rede“, sagt Ohlig.

Vielmehr vermutet er, dass die arabischen Eroberer Christen waren. Hierfür sieht er zwei Belege. Der erste basiert auf Münzen aus den eroberten Gebieten, die die Araber im ersten Jahrhundert nach Mohammeds Tod prägten. Ohlig bezieht sich auf einen seiner Mitstreiter, den Numismatiker (Münzkundler) Volker Popp. Dieser verweist darauf, dass die Münzen keineswegs islamische Symbole tragen, wie zu erwarten wäre. Im Gegenteil: Eingeprägt sind christliche Symbole, Kreuze und Herrscher mit dem Langkreuz. „Die Prägeherren“, folgert Ohlig, „waren Christen.“

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