
MAILAND/DÜSSELDORF. Zwei unscheinbare japanische Geschäftsleute auf dem Bahnsteig in Chiasso. Zwei grau gekleidete italienische Finanzpolizisten. Das sind die vier Hauptakteure in dem Krimi, der sich jetzt an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz abgespielt hat.
Die beiden Japaner haben die kostbare Fracht wahrscheinlich am 2. Juni nachmittags oder am Vormittag des 3. Juni in Mailand entgegen genommen. In der Nacht zwischen den beiden Tagen haben sie der Polizei zufolge in einem Hotel im Zentrum Mailands übernachtet – bevor sie sich am Nachmittag auf den Weg an die rund eine Stunde entfernte Grenze machen.
Der Plan ist ausgefeilt. Um nicht aufzufallen, nehmen die beiden mysteriösen Kofferträger nicht etwa den direkten Intercity von Milano Centrale nach Lugano, sondern wählen aus Vorsicht einen Lokalzug von dem kleineren Mailänder Bahnhof Garibaldi, der um 13.38 Uhr die Hauptstadt der Lombardei verlässt und fast alle kleinen Bahnhöfe abklappert. Bloß nicht auffallen auf dem Weg in die Schweizer Stadt, in der viele reiche Mailänder ihre Konten haben und in der die Norditaliener gerne ihre Geschäfte abschließen – von Auslandskonto auf Auslandskonto.
Doch die Rechnung geht nicht auf. Am Bahnhof von Chiasso nähern sich die zwei grau gekleideten Herren vom Zoll den Japanern: Koffer öffnen. Im doppelten Boden des Gepäcks kommen Titel über Milliarden zutage, es könnte einer der größten Betrugsfälle der Geschichte sein: 249 US-Staatsobligationen mit je 500 Mio. Dollar Nennwert, außerdem zehn Kennedy-Bonds im Nennwert von jeweils einer Milliarde Dollar. Der Nennwert der gefundenen Anleihen summiert sich auf 134 Mrd. Dollar, umgerechnet fast 100 Mrd. Euro. Die Japaner werden festgenommen.
Der italienische Zoll machte den Vorfall erst nach einer Nachrichtensperre öffentlich.