„It's Over Easy“ Hollywood-Anwältin will Scheidung online abwickeln

Eine Anwältin hat Hollywoodgrößen wie Angelina Jolie und Johnny Depp bei ihren Scheidungen betreut und dabei einiges ausfindig gemacht, das auch Normalbürgern bei der Trennung helfen kann. Teure Anwaltskosten sind damit bald vielleicht passé.
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Die Promi-Anwältin aus Los Angeles will es Normalbürgern ermöglichen, die Scheidung zukünftig auch bequem online abwickeln zu können. Dafür hat sie ihre Website „It's Over Easy“ gestartet. Quelle: AP
Hollywood-Anwältin Laura Wasser

Die Promi-Anwältin aus Los Angeles will es Normalbürgern ermöglichen, die Scheidung zukünftig auch bequem online abwickeln zu können. Dafür hat sie ihre Website „It's Over Easy“ gestartet.

(Foto: AP)

Los Angeles
Wenn bei den Mächtigen in Hollywood die Ehe kaputt geht, ist meistens Laura Wasser zur Stelle. Seit Jahren betreut die Anwältin Promi-Paare bei der Scheidung. Ihre neue Internetseite „It's Over Easy“ soll nun auch dem Durchschnittsbürger helfen, der Angst vor einer kostspieligen Trennung hat. Das Ziel: Paare sollen sich vom Computer oder Tablet aus scheiden lassen können – ohne einen Anwalt zu beschäftigen oder gar den Fuß in einen Gerichtssaal setzen zu müssen.

„Heutzutage gibt es so viele Menschen, die online shoppen, sich treffen, Überweisungen machen – vielleicht haben sie sich sogar beim Online-Dating getroffen und sind jetzt verheiratet“, sagt Wasser. „Warum sollte man ihnen keine Möglichkeit geben, das online zu machen?“, fragt sie mit Blick auf Scheidungen, die per Internet abgewickelt werden sollen.

Die Idee für It's Over Easy hatte sie durch ihre Shopping-Gewohnheiten, wie sie sagt. Und nach Gesprächen mit Menschen, die ihre Scheidung gerne selbst organisiert hätten – das Ganze aber zu verwirrend, teuer oder einschüchternd fanden.

Warum Ehen wieder länger halten
Zahl der Scheidungen geht zurück
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Die Menschen in Deutschland heiraten später und bleiben länger ein Ehepaar. Männer sind im Durchschnitt 37,8 und Frauen 34,8 Jahre alt, wenn sie sich das Ja-Wort geben. Damit sind beide sechs Jahre älter als vor gut 20 Jahren. Die Zahl der Scheidungen geht seit Jahren zurück. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum lassen sich weniger Paare scheiden?
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Viele treten gar nicht oder später vor den Altar. Eine Schwangerschaft ist nicht mehr automatisch Grund zu heiraten, sagt der Berliner Familientherapeut Achim Haid-Loh. Mehr als jedes dritte Kind kommt nichtehelich auf die Welt. Evelyn Grünheid vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung sagt: „Junge Leute heiraten eher, wenn sie traditionell eingestellt sind.“ Wer so ticke, lasse sich auch nicht so schnell scheiden. Andere Paare hält die Skepsis vor der Ehe vom Ja-Wort ab - oder sie haben gute Erfahrungen mit dem Zusammenleben ohne Trauschein gemacht. Grünheid nennt noch einen Grund: „Berufstätige, unabhängige Frauen sind mit ihrem Leben zufriedener und meistern kritische Phasen in der Ehe eher.“

Woran zerbrechen die meisten Ehen?
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Die Kluft zwischen Partnerschaftsideal und Wirklichkeit belastet nach Einschätzung von Haid-Loh viele Beziehungen. Die allermeisten Frauen und Männer hielten es für ideal, wenn beide Partner arbeiten und sich gemeinsam um Haushalt und Kinder kümmern. Dies gelinge aber nur einem Bruchteil. Der Bielefelder Paartherapeut Detlef Vetter sagt: Die gestiegenen Anforderungen der Arbeitswelt führten dazu, dass beide Partner in der Beziehung vor allem „versorgt werden“, aber nicht investieren wollten. So verlören sie nach und nach den Kontakt zueinander. Frauen und Männer hätten auch unterschiedliche Ansprüche. „Für Frauen ist es wichtiger, dass die Beziehung gut läuft“, berichtet Vetter aus der Praxis. „Männer beginnen eher eine Affäre.“

Gibt es besonders kritischen Lebenssituationen?
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Wenn rund um die Geburt des ersten Kindes auch noch ein Haus gebaut wird, sagt Vetter. „Dann ist das Haus fertig und die Beziehung auch.“ In der Midlife-Crisis wollten viele noch mal ein anderer sein. „In meiner Praxis waren in den letzten Jahren auffällig viele, die sich beim 25. Abiturtreffen wieder in ihrer Jugendliebe verliebt haben.“

Wie viele Kinder sind von den Scheidungen ihrer Eltern betroffen?
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Fast 132 000 Jungen und Mädchen waren es 2015. Dazu kommen noch einmal 65 000 bis 66 000 Kinder, deren unverheiratete Eltern sich getrennt haben, schätzt Haid-Loh vom Evangelischen Zentalinstitut für Familienberatung.

Haben es Scheidungskinder schwerer als andere Gleichaltrige?
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„Die Nachteile sind begrenzt“, sagt die stellvertretende Direktorin des Deutschen Jugendinstituts, Sabine Walper. „Aber in den üblichen ein, zwei Jahren, die Trennungsfamilien brauchen, um sich wieder neu zu finden, die schlimmsten Konflikte zu schlichten und alle Regelungen zu treffen, geht es den Kindern erstmal schon deutlich schlechter.“ Gerade wenn der Übergang zur weiterführenden Schule in diese Zeit falle, könne sich dies auswirken. Bei jüngeren Kindern hätten Jungen in der Regel eine höhere Sensibilität für Konflikte in der Partnerschaft, nach der Pubertät reagierten eher die Mädchen auf familiäre Belastungen.

Was sollten Eltern ihren Kindern bei einer Scheidung unbedingt ersparen?
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„Dauerhafte Zerwürfnisse der Eltern, Konflikte die weiter schwelen, sind eine Hypothek“, sagt Forschungsdirektorin Walper. „Wenn es den Eltern gelingt, mit der Scheidung auch einen gewissen Frieden zu finden, die Grenzen des anderen zu respektieren und die bösen Erinnerungen beizulegen, dann ist viel gewonnen.“ Dies sei aber eine große psychische Leistung und professionelle Hilfe dabei sehr ratsam. Besondere Begleitung brauchen nach Einschätzung von Haid-Loh die Kinder aus den 15 bis 20 Prozent strittigen bis hochstrittigen Trennungsfamilien. Aber auch Kinder, deren familiäre Konstellation sich häufig ändert.

Die am Donnerstag gestartete Webseite erlaubt es Paaren im New York County und in Kalifornien, Scheidung und Sorgerecht online zu arrangieren. Beide Parteien müssen die Seite nutzen und ihre Daten eingeben. Wenn nötig, kann ein Anwalt eingeschaltet werden. Grundlage des Prozesses ist es, die Trennung freundschaftlich zu gestalten. „Es ist besser für die emotionale Gesundheit, es so zu gestalten“, sagt die 49-jährige Wasser, die selbst geschieden ist.

Angelina Jolie, Christina Aguilera und Johnny Depp: Die Anwältin hat bereits viele Promis bei ihren Scheidungen betreut. Über ihre populären Mandanten verrät sie zwar nichts. Leser von Klatschseiten kennen ihren Namen aber trotzdem.

Nutzer von It's Over Easy müssen ihre finanziellen Daten und individuelle Zeiten angeben, wann gemeinsame Tage mit den Kindern besonders wichtig sind. Am Ende bekommen beide Seiten Dokumente, die zur rechtmäßigen Scheidung und Sorgerechtsvereinbarungen führen können. Je nach Dienstleistung bezahlen die Kunden zwischen 750 und 2500 Dollar (rund 600 bis 2000 Euro). Zum Vergleich: Für Wassers regulären Service zahlen Mandanten einen Vorschuss in Höhe von 25 000 Dollar und 850 Dollar die Stunde.

Bedenken, für Paare werde eine Scheidung damit in Zukunft vielleicht zu einfach, schlägt sie in den Wind. „Wir machen es nicht einfacher. Eine Scheidung ist sehr schwer, aber es passiert“, sagt Wasser. Sie glaube kaum, dass jemand ihre Werbung sehe und danach aus heiterem Himmel eine Trennung in Betracht ziehe.

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1 Kommentar zu "„It's Over Easy“: Hollywood-Anwältin will Scheidung online abwickeln "

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  • Da sind wir Europäer mal 10 Jahre weiter als die USA...; eine Scheidung online durchzuführen geht bereits in vielen europäischen Ländern seit vielen Jahren. Und wenn noch ein paar Herausforderungen auf Seiten der Gerichte (Datenschutz etc.) in der Zukunft gelöst werden, dann können sich die Hauptprotagonisten sogar den Weg zum schlussendlichen 10minütigen Gerichtstermin auch noch sparen. Vielleicht einfach mal bei Google & Co. "Scheidungsservice" oder "Scheidung Online günstig" eingeben, schreibt hier das Team von Ehe.de & Trennung.de & Scheidung.de mit Büros in Düsseldorf und Berlin (und noch nicht in LA-;) ).

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