Jackpot-Tourbillon
Armband-Bandit

Glücksspielgeräte schlucken Geld und spucken manchmal etwas aus. Beim Jackpot-Tourbillon von Girard-Perregaux wartet man darauf vergebens. Der Wirbelwind gilt als eine große mechanische Herausforderung und findet deshalb immer wieder Liebhaber.

DÜSSELDORF. Unter Uhrenliebhabern gibt es einen Begriff, der stets für ehrfürchtiges Raunen sorgt wie die Erwähnung eines 16-Zylinders bei Autofans: „Tourbillon“. Das ist Französisch und bedeutet Wirbelwind. Den Sturm im Uhrenglas entfachte Abraham Louis Breguet. Der hatte zum Ende des 18. Jahrhunderts nach einer Möglichkeit geforscht, die Einflüsse der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit der Uhr auszugleichen. Die Unruhen der damaligen Taschenuhren waren auf eine senkrechte Position eingestellt. Je nach Lage der Uhr konnte sich eine Gangabweichung ergeben. Seine Idee war ebenso einfach wie kompliziert herzustellen. Anker, Ankerrad, Spirale und Unruh steckte er in einen Käfig. Der wird von der Welle des Sekundenzeigers angetrieben. Nach einer Minute hat der Tourbillon eine vollständige Umdrehung absolviert, er hebt also die lageabhängigen Schwankungen auf.

So weit die Theorie. Der Effekt des Tourbillons war nicht wirklich exzeptionell. Bei Taschenuhren mag der Wirbelwind noch für Gleichlauf gesorgt haben, bei Armbanduhren darf man das komplizierte Werk getrost als Spielerei bezeichnen. Schließlich werden Armbanduhren nicht nur senkrecht, sondern auch waagerecht bewegt, so dass die von Breguet angestrebte Wirkung sich nicht entfalten kann. Und ehrlich gesagt: Die Ganggenauigkeit im Zeitalter der Funkuhren mit einer 200 Jahre alten mechanischen Erfindung erzwingen zu wollen hätte auch etwas rührend Donquichotteskes.

Trotzdem gilt der Tourbillon als eine der größeren mechanischen Herausforderungen und findet deshalb immer wieder Liebhaber. Kein Wunder also, dass immer mehr Uhrenmarken einen Tourbillon im Programm haben – und dafür zumeist Preise im fünfstelligen Bereich aufrufen. Die Tourbillonisierung ist allerdings mittlerweile so stark fortgeschritten, dass man auch schon Exemplare aus chinesischer Produktion für ein paar hundert Dollar bekommen kann. Der Vintage 1945 Jackpot-Tourbillon von Girard-Perregaux ist gleich eine doppelte Spielerei. Zunächst einmal, klar, Tourbillon.

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Dann steckt aber zudem ein Glücksspielgerät im Goldgehäuse. Mit einem Hebel an der rechten Seite des Uhrgehäuses werden drei Räderwerke in Bewegung gesetzt. Auf ihnen stehen jeweils fünf Symbole, macht 125 mögliche Kombinationen, die man in einem todlangweiligen Meeting oder auf einem Interkontinentalflug so lange durchprobieren kann, bis der Sitznachbar völlig zermürbt ist (zu jedem Spiel steuert ein Schlagwerk einen Ton bei) oder bis man auf den Jackpot stößt: drei Glocken. Das spielt auf eine weitere mechanische Erfindung mit begrenztem technischem Nutzen an: Knapp 100 Jahre nach Breguets Erfindung entwarf der deutschstämmige Amerikaner Karl-August Fey die Liberty Belle, einen „einarmigen Banditen“, bei dem drei Glocken Maximalauszahlung bedeuteten.

Auf die Ausschüttung eines saftigen Gewinns wartet man beim Jackpot-Tourbillon, dessen Preis etwa bei einer halben Million Euro liegt, allerdings vergeblich. Der könnte sich höchstens einstellen, wenn man eines Tages die hoch komplizierte Uhr wieder veräußert. Vom Armband-Banditen werden nämlich kaum so viele Exemplare hergestellt, wie an einen Arm passen.

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