Jäger auf Packeis vor Kanadas Küste
Das Abschlachten der Robben hat begonnen

Das weltweit größte Abschlachten von Robben hat am Dienstag auf dem Packeis vor der Nordküste Kanadas begonnen. 320 000 Sattelrobben und 5000 Klappmützen wurden vom kanadischen Fischereiministerium in Ottawa für diese Saison zum Töten freigegeben.

HB MONTREAL/BERLIN. Etliche Einwohner der industriearmen Atlantik-Provinz Neufundland leben vom Verkauf der Robbenfelle, deren Preis in den vergangenen fünf Jahren nach kanadischen Medienangaben auf das Zehnfache gestiegen ist - 70 bis 100 Dollar (54 bis 78 Euro). Ein weitere Einnahmequelle ist das Öl, das aus den Tieren gewonnen wird.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace protestierte in den vier größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München und Köln mit einer viertägigen Plakataktion und einer Mahnwache gegen die Robbenjagd. Im Zentrum der Hauptstadt auf dem Pariser Platz können sich Passanten bis Freitag an der Gestaltung eines 350 Meter langen Banners beteiligen, das der kanadischen Botschaft übergeben werden soll. Nach Angaben von Greenpeace werden in Kanada pro Jahr etwa zehn Millionen Euro mit der Robbenjagd erwirtschaftet. Im Jahr 2002 hätten dagegen allein 290 000 deutsche Kanada-Urlauber insgesamt 240 Millionen Euro ausgegeben.

Mit den Jägern fanden sich am frühen Dienstag Dutzende von Demonstranten auf den Eisschollen im Golf des St. Laurence nahe der Magdalen-Inseln ein. Tierschutzorganisationen kritisieren, dass wehrlose Jungtiere auf grausame Weise getötet und nicht selten bei lebendigem Leib gehäutet werden. Sie fordern ein weltweites Importverbot für Robbenprodukte, wie es kürzlich in den USA durchgesetzt wurde.

Auch Mexiko, Belgien und die Niederlande erwägen nach Angaben von Tierschützern derzeit ein solches Verbot. Die Hauptabnehmer von Robbenprodukten, China und mehrere skandinavische Länder, vor allem Dänemark und Norwegen, haben bisher keine Einwände gegen die blutigen Schlachtmethoden erhoben. Rebecca Aldworth, Direktorin der Organisation Canada Wildlife, machte am Montag zuletzt darauf aufmerksam, dass 95 Prozent aller getöteten Robben noch nicht einmal drei Monate alt sind.

Einige Tierschutzverbände haben aus Protest gegen das Robbenschlachten in diesem Jahr erstmals zu einem Boykott aller kanadischen Meeresprodukte aufgerufen, darunter auch Fisch und Krabben. Kanadas Regierung begründet die Rekordschlachtquote für die vergangenen drei Jahre von etwas mehr als einer Million Tiere damit, dass sich die Robben stark vermehrt und die Kabeljaubestände im Atlantik abgebaut hätten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%