Jagd in Bayern und Österreich
Britisches Unternehmen versichert Braunbär

Der umherwildernde Braunbär bleibt zwar weiterhin verschwunden, inzwischen nutzt jedoch ein britischer Versicherer die Panik um das Tier zur Werbung in eigener Sache und versichert Schäden durch den Bären bis zu 1,5 Mill. Euro. Der Bär ist vermutlich im Rahmen eines italienischen Naturschutzprojektes ausgewildert worden.

HB MÜNCHEN/LONDON. „Wir wollen verhindern, dass der Bär abgeschossen wird“, sagte Simon Burgess, Geschäftsführer von British Insurance, am Mittwoch. Die Versicherung würde jeden entschädigen, bei dem der Bär künftig Schaden anrichte, erklärte Burgess. Er habe im Radio von der Abschussgenehmigung gehört und sei empört gewesen. „Der Bär ist ein wunderschönes Tier und ihn zu töten wäre eine Schande“, so Burgess weiter. Mit dieser Art Haftpflichtversicherung wolle er einen Anreiz liefern, den Bär lebend einzufangen. Es gebe keine neuen Hinweise auf den Verbleib des Bären, sagte eine unterdessen Sprecherin der Polizei im oberbayerischen Weilheim am frühen Mittwochmorgen. Inzwischen vermuten Experten, dass er wieder nach Österreich zurückgekehrt sein könnte. Nach Bayern hat aber auch das österreichische Bundesland Tirol eine Abschussgenehmigung erlassen.

 Weblog: Wo der Bär tanzt.
Mein Kollege Sackmann

„Wahrscheinlich ist der Bär schon wieder in Österreich“, sagte der Sprecher der Bayerischen Staatsforsten, Joachim Keßler, am Dienstag in Regensburg. Wildbiologen und Förster hätten keine neuen Bärenspuren gefunden. Die Mitarbeiter sind angewiesen, den Bären möglichst lebendig zu fangen, statt ihn zu erschießen. Der erste seit rund 170 Jahren wieder in freier Wildbahn in Deutschland gesichtete Bär hatte in den vergangenen Tagen rund ein Dutzend Schafe gerissen und selbst vor Beute in Siedlungen nicht mehr Halt gemacht.

In Deutschland ist unterdessen ein heftiger Streit um den geplanten Abschuss entbrannt. Während Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber die von seinem Umweltminister Werner Schnappauf (beide CSU) erlassene Abschussgenehmigung am Dienstag in München verteidigte, kritisierten Naturschutzverbände die Anordnung als überzogen.

Auch italienische Tierschützer haben gegen den geplanten Abschuss des Braunbären in Bayern mobil gemacht. „Der Beschluss ihn zu erschießen lässt uns völlig perplex. Sie könnten ihn doch stattdessen betäuben“, zitierte die Zeitung „Corriere della Sera“ am Mittwoch den Zoologen Andrea Mustoni, Leiter des Südtiroler Tierschutz-Projektes „Life Ursus“. Der Bär in Bayern könnte eins der insgesamt 20 Jungtiere sein, die im Rahmen des „Life Ursus“-Projektes in den vergangenen Jahren im Adamello-Park geboren wurden und dann in ein italienisches Naturschutzgebiet umgesiedelt wurden.

Der Deutsche Naturschutzring nannte unterdessen die Abschusserlaubnis bayerischer Behörden „typisch deutsch“. Präsident Hubert Weinzierl sagte: „Wir machen uns weltweit lächerlich.“ Schnappauf müsse seine Anordnung zurückziehen. Die Umweltstiftung WWF will weiter versuchen, den Bären lebend einzufangen. Der Bär gehöre zwar „aus der Region entnommen“, sagte auch WWF-Österreich-Sprecherin Susanne Grof. „Aber ein Fang wäre uns natürlich lieber als ein Abschuss.

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