Jahresrückblick und -vorschau
2006 - Ein turbulentes Jahr am Ölmarkt

Der Ölmarkt hat im Jahr 2006 eine Achterbahnfahrt hingelegt: Rekordpreise nach dem Ausbruch des Libanon-Krieges im Sommer - und danach drastischer Rückgang um 25 Prozent.

HB HAMBURG. Wie schon 2005 wurden die Preise dabei nicht durch die Förderung und den tatsächlichen Verbrauch bestimmt, sondern durch Einwirkung von außen: Die Nahostkrise 2006 und der Sturm Katrina 2005. In beiden Jahren war die Weltkonjunktur jedoch robust genug, um die Schocks vom Ölmarkt zu verkraften.

Das Jahr begann mit Ölpreisen um die 57 Dollar pro Barrel (159 Liter), fast 10 Dollar oder 15 Prozent unter den Höchstpreisen aus dem Spätsommer 2005. Damals hatte der Wirbelsturm Katrina Förderanlagen im Golf von Mexiko schwer beschädigt.

Produktionsausfall und Spekulanten hatten den Preis auf 65 Dollar getrieben, was damals als unfassbar hoch erschien.

Am Ende des Jahres 2006 machen solche Preise niemanden mehr besorgt: 62,20 Dollar kostet das Barrel kurz vor Weihnachten.

Relativ warmes Wetter in Europa und den USA dämpft die Nachfrage nach Heizöl, so dass bis Jahresende keine dramatischen Preisanstiege mehr wahrscheinlich erscheinen.

Ohnehin war die Politik in diesem Jahr für den Ölpreis wieder wichtiger als Angebot und Nachfrage: Im Februar erhoben sich in der islamischen Welt Proteststürme gegen die Mohammed-Karikaturen aus Dänemark. Auch der Ölpreis zeigte eine erste Spitze, beruhigte sich aber noch für den Rest des Winters bei 60 Dollar. Aber: Die Spannungen zwischen dem größten Importeur USA und dem wichtigen Lieferland Venezuela nahmen zu.

International nahmen die Spannungen zu: Im Irak explodierten immer mehr Bomben, das iranische Atomprogramm erzürnt den Westen, der neue Präsident von Bolivien will die Öl- und Gasindustrie verstaatlichen. Für den endgültigen Durchbruch der Ölpreise nach oben sorgte eine Militäraktion Israels: Auf der Suche nach zwei entführten Soldaten marschierte die Armee in Gaza und dem Libanon ein - und der Ölpreis schoss durch die Decke: Ende Juli/Anfang August wurden über 78 Dollar pro Barrel fällig, mehr als je zuvor.

Angesichts offenbar endlos steigender Ölpreise waren Spekulanten groß in den Markt eingestiegen. Langgediente Branchenkenner schüttelten nur noch den Kopf, denn tatsächlich war das ganze Jahr stets genug Rohöl vorhanden: Die Lager füllten sich.

So zeichnete sich das Herbst-Debakel für die Käufer von "Papieröl" schon vorher ab: Denn ab August kannten die Preise für drei Monate nur noch eine Richtung: abwärts. Von 78 Dollar auf knapp über 55 Dollar korrigierte der Markt, ein Waffenstillstand im Libanon beruhigte. Deutsche Autofahrer atmeten auf, Heizölkäufer füllten die Tanks.

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