Jemen
Lebenszeichen von verschleppten Kindern

Von der entführten deutschen Familie im Jemen ist einem Zeitungsbericht zufolge ein Video aufgetaucht. Die Kinder machten darauf einen erschöpften Eindruck. Über das Schicksal der Eltern herrsche dagegen weiter Unklarheit.
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HB FRANKFURT. Wie die"Bild"-Zeitung unter Berufung auf einen hohen Regierungsbeamten berichtet, belegen Aufnahmen der Entführer, dass zumindest die drei Kinder im Alter zwischen einem und fünf Jahren am Leben sind. "Die Kinder machen einen erschöpften Eindruck", wird der Regierungsbeamte zitiert.

Das Auswärtige Amt ließ den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur DAPD unkommentiert. Der Krisenstab bemüht sich demnach weiter intensiv um eine Freilassung. Laut "Bild" stammt das Video aus den vergangenen Wochen.

Das Ehepaar aus Sachsen und seine drei kleinen Kinder wurden am 12. Juni mit zwei Bibelschülerinnen aus Niedersachsen, einem Briten und einer Südkoreanerin im Jemen entführt. Drei Tage später wurden die Leichen der beiden Bibelschülerinnen und der Koreanerin entdeckt. Das Ehepaar aus Sachsen arbeitete seit 2003 in einem staatlichen Krankenhaus in der nordjemenitischen Provinz Saada nahe der Grenze zu Saudi-Arabien.

Zur Vermittlung in dem Geiseldrama reiste der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, in diesem Monat in den Jemen. Er wurde im Jahr 2005 selbst mit seiner Frau und seinen drei Söhnen während eines Weihnachtsurlaubes in dem Land entführt, nach wenigen Tagen aber wieder freigelassen. Die Eltern des entführten Familienvaters wendeten sich schon im Sommer an die Öffentlichkeit und appellierten in einem Video an die Entführer, die Geiseln freizulassen.

Nach dem Tod der beiden Bibelschülerinnen gab es in Deutschland eine große öffentliche Anteilnahme. Die beiden Frauen im Alter von 24 und 26 Jahren hatten ihr Praktikum im Jemen Anfang Juni begonnen. Am 12. Juni wurden sie bei einer Fahrt mit der fünfköpfigen Familie, einer 34-jährigen Südkoreanerin und einem Briten entführt. Am 15. Juli fanden Schafhirten die verstümmelten Leichen der deutschen Praktikantinnen und der Südkoreanerin. Die beiden Frauen waren Mitglieder der Immanuelgemeinde in Wolfsburg.

Zehntausende auf der Flucht

In der Grenzregion zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen gibt es derzeit Kämpfe zwischen saudischen Soldaten und schiitischen Rebellen aus dem Nachbarland. Dabei wurden nach offiziellen Angaben bislang 73 saudische Soldaten getötet, 26 werden vermisst. Die Offensive startete am 5. November.

Schiitische Rebellen kämpfen in der Provinz Saada schon seit fünf Jahren gegen die Regierung. Dieser werfen sie Korruption und eine zu enge Zusammenarbeit mit dem Westen im Anti-Terror-Kampf vor. Zudem beklagen die Schiiten, die 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, von der sunnitischen Mehrheit unterdrückt zu werden. Der Konflikt hat schon Zehntausende in die Flucht getrieben.

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