Jemitische Stammesangehörige
Deutsche Familie im Jemen entführt

Bewaffnete Stammesanghörige haben im Jemen eine deutsche Familie entführt. Nach Angaben der jeminitischen Regierung handelt es sich um eine im Jemen arbeitende Expertin der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und ihre Eltern. Die Entührung demonstriert ein weiteres Mal die Machtlosigkeit der Regierung und ruft Erinnerungen an ähnliche Fälle wach.

HB SANAA/ISTANBUL. Der Ausflug der deutschen Familie nach Radaa endet jäh. Als sie die für ihre islamischen Sehenswürdigkeiten bekannte Stadt im Jemen verlassen wollen, umstellen plötzlich fünf Männer mit Schnellfeuergewehren ihr Auto. Sie zwingen die junge Frau und ihre Eltern, auszusteigen. Dann verschwinden sie mit ihren Geiseln in Richtung Norden. Sie bringen sie ins Stammesgebiet der Bani Dhabian.

Für die jemenitische Führung unter Präsident Ali Abdullah Salih ist diese Entführung von Ausländern peinlich, genau wie frühere Entführungen, die nach ähnlichem Muster abliefen. Denn die Kidnapper demonstrieren immer wieder aufs Neue, wie begrenzt die Macht der Zentralregierung letztlich ist. Wenn die Stämme, deren militärische Ausrüstung teilweise besser ist als die der jemenitischen Streitkräfte, sich von der Regierung oder den Sicherheitskräften benachteiligt oder ungerecht behandelt fühlen, nehmen sie sich das, was sie für ihr Recht halten - notfalls auch mit Gewalt.

Die Bani Dhabian sind von Entführungen als Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele offensichtlich besonders angetan. In den vergangenen acht Jahren haben sie schon mehr als zehn Ausländer gekidnappt, die später alle wieder freikamen. Auch zwei der Clan-Mitglieder, die durch die Entführung der drei Deutschen freigepresst werden sollen, waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen wegen einer Entführung inhaftiert worden.

Nach offizieller Darstellung kümmert sich das Tourismus- Ministerium in Sanaa um die Freilassung der Geiseln. Doch inoffiziellen Angaben zufolge werden die Verhandlungen mit den Kidnappern von Stammesältesten geführt, die ihrerseits in Kontakt mit der deutschen Botschaft in Sanaa stehen. Diese Vorgehensweise hat sich schon bei früheren Entführungsfällen als erfolgreich erwiesen.

Dass sich die drei Deutschen in ein besonders gefährliches Gebiet des Jemen gewagt hätten, kann man nicht sagen. Denn Radaa gehört nicht zu den Hochburgen der El-Kaida-Terroristen im Jemen. Auch der seit Jahren andauernde bewaffnete Konflikt zwischen den Regierungstruppen und den sogenannten Houthi-Rebellen ist bis in diese Provinz nicht vorgedrungen.

Vielmehr ist es der Familie ähnlich gegangen wie einst dem früheren Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, der im Weihnachtsurlaub 2005 zusammen mit seiner Frau und drei erwachsenen Kindern von einem jemenitischen Stamm als Faustpfand in einem Disput mit der Zentralmacht missbraucht worden war. Familie Chrobog kam damals binnen weniger Tage frei.

Der Ex-Diplomat wehrte sich später gegen Vorwürfe, wonach gerade er als ehemaliger Krisenmanager nicht so unvorsichtig hätte sein sollen, in einem riskanten Gebiet Urlaub zu machen. Die Zeitung "Yemen Times" hatte den Entführungsfall damals wohl eher von der humoristischen Seite betrachtet. Nach der Freilassung der Chrobogs schrieb sie damals: "Nach einem spannenden Urlaub flog die deutsche Familie gestern heim."

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