Jerusalem Die Hauptstadt der Bärte

Es gibt viele Gründe für einen Bart: Religion, soziales Prestige, politische Botschaften oder einfach nur die Mode. Das wird wohl in keiner Stadt so deutlich wie in Jerusalem.
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„Die jüdische Bartkultur ist Tausende von Jahren alt.“ Quelle: Imago
Orthtodoxe Juden beten an der Klagemauer in Jerusalem

„Die jüdische Bartkultur ist Tausende von Jahren alt.“

(Foto: Imago)

JerusalemVollbärte, Schnauzbärte, Backenbärte - Gesichtsbehaarung jeglicher Art liegt weltweit gerade im Trend. In Jerusalem, wo Juden, Christen und Muslime auf engstem Raum zusammenleben, war das Tragen eines Bartes jedoch nie irgendwelchen modischen Strömungen unterworfen, drückte es doch religiösen Mystizismus, Nationalismus und Männlichkeitsideale aus. Für Männer jeden Glaubens kann der Bart ein Statement sein. Er reflektiert soziale Sitten, manchmal sogar politische Ansichten. 

Für Eitan Press ist es eine spirituelle Reise, sich einen Bart wachsen zu lassen. Darin kommen alte Werte des jüdischen Mystizismus zum Ausdruck, zugleich werden damit aber moderne Männlichkeitsauffassungen hinterfragt. Der 40-Jährige betreibt das Unternehmen „Aleph Male“, das wohlriechende Balsame für Bärte herstellt. Für ihn verkörpere ein Mann mit einem Bart jemand, der seinen Mitbrüdern helfe, sagt Press, der selber einen majestätischen, roten Vollbart trägt. „Wenn ein Mann sich einen Bart wachsen lässt, dann obliegt es ihm, mit mehr Freundlichkeit, Mitgefühl und Sensibilität für seine Umwelt zu handeln, denn er trägt in seinem Gesicht eine göttliche Qualität“, sagt er. 

Die Düfte seiner Pasten und Salben, die er auf dem Markt Mahane Jehuda in Jerusalem feilbietet, nehmen jüdische Feste und Bräuche auf. Ein Balsam mit Zitrusnote ist dem Fest Sukkot gewidmet, das im Herbst zum Gedenken an die Wanderung der Juden durch die Wüste begangen wird. Ein anderes Balsam hat die Aromen von Nelke und Zimt, Gewürze, die bei der Hawdalah verwendet werden, jenem religiösen Ritual, das am Samstagabend bei Nachteinbruch das Ende des Sabbats und den Beginn der neuen Woche kennzeichnet.

Zehn Städte für einen günstigen Urlaub
Platz 10: Nürnberg
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Die Ergebnisse basieren auf einer Auswertung des Feedback der Reise-Community Tripadvisor sowie dem wachsenden Such- und Buchungsinteresse im Jahresvergleich. „Travellers‘ Choice“ werden die Gewinner genannt, und sie geben Impulse für die neuen Trendziele.

Auch eine deutsche Stadt hat es anhand der Besucherbewertungen in das Ranking geschafft: Nürnberg überzeugt mit 900 Jahren Historie, einem eindrucksvollen Stadtbild und seinen berühmten Lebkuchen. Die zweitgrößte Stadt Bayerns ist geprägt durch Burgmauern und Türme, Brücken und kleine Flussinseln. Ein Tipp für Besucher: In venezianischen Gondeln kann man die Stadt vom Wasser aus erkunden.

Platz 9: Valletta
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Die maltesische Hauptstadt steht komplett unter Denkmalschutz und hat es auch schon auf berühmte Gemälde geschafft. Enge Straßen im Schachbrettmuster und Kalksteinfassen sind ein typisches Merkmal und machen Valletta unter anderem zur „Europäischen Kulturhauptstadt 2018“.

Unterkunft und Anreise sind im Vergleich mit den anderen Städten etwas teurer: Flüge und Unterkunft gibt es ab etwa 100 Euro.

Platz 8: Cádiz
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Die alte Hafenstadt im Südwesten Spaniens war einst Sitz der spanischen Marine. Über 100 Wachtürme kreieren so ein außergewöhnliches Stadtbild. Ferner laden die Strände La Celate und La Victoria nach dem Sightseeing zum Erholen ein. Das Ausgehviertel La Vina beschert Urlaubern eine Vielzahl an Restaurants und Bars.

Unterkünfte und Flüge gibt es schon unter 100 Euro.

Platz 7: Ljubljana
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Das Ranking zeigt: „Go East!“ könnte ein Motto des europäischen Urlaubers sein. Gleich fünf der Gewinnerstädte liegen in Osteuropa. Auf Platz sieben die slowenische Stadt Ljubljana. Sie gilt als verborgene Perle in Europa: Slowenische Kultur und österreichische und mediterrane Einflüsse treffen hier zusammen. Viele Grünflächen und malerische Brücken machen die kleine Hauptstadt zu einer hervorragenden Fotokulisse. Während die Altstadt von Barock-, Renaissance- und Jugendstilbauten geprägt ist, wacht über der Stadt eine mittelalterliche Burg.

Die Hotelpreis liegen im Jahresmittel bei 74 Euro, im Juni sogar schon ab 49 Euro pro Nacht. Flüge ab München gibt es schon für 116 Euro.

Platz 6: Zagreb
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In der kroatischen Hauptstadt kommen besonders Kulturliebhaber auf ihre Kosten. Zagreb ist Zentrum für moderne Kultur, Sport, Künste und Wissenschaft. Besonders empfehlenswert: Das Museum der zerbrochenen Beziehungen. Aber auch Architekturinteressierte können hier einiges entdecken. Die Stadt besticht durch die ungarisch-österreichische Architektur und beherbergt einige Schmuckstücke, wie zum Beispiel die Kathedrale der Oberstadt Gornji-Grad mit den Zwillingstürmen.

Unterkünfte und Flüge sind hier besonders günstig. Von Frankfurt aus gibt es bereits Tickets ab 38,50 Euro.

Platz 5: Catania
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Am Fuße des Vulkans Ätna liegt die historische sizilianische Hafenstadt Catania. Nach Palermo ist sie die zweitgrößte Stadt Siziliens. Besonders auffallend sind hier die schwarzen Gebäude: Die Stadt wurde aus Vulkanstein erbaut, was ihr auch den Beinamen „schwarze Stadt“ verleiht. Urlauber können sich hier besonders der vielseitigen Meeresküche erfreuen. Ein Einkaufsbummel in der Einkaufsstraße Via Etnea führt auch zum historischen Piazza Stesicoro und dem dort gelegenen Amphitheater.

Auch ist Catania ein günstiges Reiseziel: Ab Frankfurt gibt es Flüge ab 38,50 Euro, und eine Unterkunft findet man dort auch für um die 50 Euro pro Nacht.

Platz 4: Nerja
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50 Kilometer östlich von Málaga befindet sich an der Costa del Sol die Gemeinde Nerja. Das Stadtgebiet wird von einer 14 Kilometer langen Küste gesäumt, die mit seinen atemberaubenden Ausblicken und Stränden auch den Titel „Balcón de Europa“ trägt. Die umliegenden Klippen beherbergen außerdem viele Tropfsteinhöhlen zum Erkunden. In einigen von ihnen findet man sogar noch allsteinzeitliche Wandmalereien.

Von Hamburg aus erreicht man den nahegelegenen Flughafen Málaga schon ab 38 Euro.

„Die jüdische Bartkultur ist Tausende von Jahren alt. Moses hatte einen Bart, König David hatte einen Bart“, sagt Press. „Der Brauch jüdischer Männer, ihr Haar und ihren Bart mit geweihten Ölen zu salben, geht auf die Bibel zurück.“
Im 3. Buch Mose werden Männer dazu angehalten, sich nicht mit einer Klinge zu rasieren und ihren Bart nicht ganz abzuschneiden. Während das jüdische Recht die Verwendung von Elektrorasierern oder Scheren zum Trimmen eines Bartes erlaubt, gibt es einige Sekten, in denen jegliches Handanlegen an den Bart verboten ist.
Michael Silber, ein Professor der Hebräischen Universität Jerusalem, hat zum Thema Bärte geforscht. In einigen orthodoxen jüdischen Gemeinschaften sei das Haar so heilig, dass die Männer ihre Bärte nicht einmal kämmten, sagt er. Sie hätten Angst, dabei Haare auszureißen. Strähnen, die auf natürliche Weise ausfielen, würden oft in Gebetsbüchern aufbewahrt. Für die Frommen, die solche Lehren folgten, seien Bärte „ein Kanal der Göttlichkeit“, der sie mit Gott verbinde, sagt Silber. 

Doch auch in anderen Religionen spielen Bärte eine wichtige Rolle. Suheir Dubai, ein muslimischer Gelehrter und Imam in der Stadt Nablus im Westjordanland, verweist darauf, dass sich muslimische Männer Vollbärte aus religiösen Gründen wachsen ließen. Schnauzbärte seien dagegen in der weltlichen Kultur verwurzelt.
Einige ließen sich Oberlippenbärte wachsen, um mächtige Führer zu imitieren wie den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein, sagt er. Einige autokratische Regierungen im Nahen Osten seien dafür bekannt gewesen, ihren Gefangenen die Schnauzbärte abzuschneiden, um sie so zu erniedrigen. In Syrien, Jordanien und dem Libanon würden einige Männer sogar bei ihrem Schnurrbart schwören. 

Die muslimischen Barttraditionen gehen auf den Propheten Mohammed zurück, der im 7. Jahrhundert seine Anhänger dazu aufrief, Vollbärte zu tragen und ihre Schnauzbärte als Ausdruck der Bescheidenheit zu stutzen. Mit dem Aufschwung des politischen Islams vor rund drei Jahrzehnten wurden die Vollbärte zunehmend populär.
Aber auch unter christlich-orthodoxen Priestern, die in ihren langen, wehenden Roben durch die Gassen der Jerusalemer Altstadt wandeln, sind lange, buschige Bärte weit verbreitet. Sie sehen ihre Bärte als Zeichen der Hingabe an Gott und als Huldigung an Jesus, der traditionell mit Bart dargestellt wird. 
In Jerusalem kann das Tragen eines Bartes aber auch politische Haltungen ausdrücken. „In den 80er Jahren begann Religion, sich immer mehr mit politischen Orientierungen zu verbinden“, sagt Silber. „Das spiegelt sich wider im Aufkommen des Bartes unter den eher rechtsgerichteten und religiös orientierten Juden wie auch Muslimen.“
Doch viele Männer mit Bart haben auch ganz einfache Motive dafür. Der Bart gefällt ihnen einfach. Dabei ist es nicht immer so einfach, wie es aussieht, einen Bart zu haben, wie Barbier Tal Johnson aus der israelischen Stadt Holon sagt. „Man kann nicht damit essen. Es gibt eine Menge Dinge, die wirklich schrecklich sind. So wie Hummus. Oder Spiegeleier, die noch flüssig sind. Du musst dich danach waschen. Das ist alles sehr kompliziert“, sagt er. Was aus seiner Sicht ganz besonders schrecklich beim Essen mit Bart ist? Suppe!


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  • In der jetzigen Zeit geht nur noch glattrasiert.

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