Jobcenter-Mord
„Es ist lange nicht vorbei“

Ein Arbeitsloser hat vor einem Jahr im Jobcenter in Neuss seine Sachbearbeiterin erstochen. Viele Beschäftigte in den Behörden hat der Mord verunsichert. Eine Diskussion um Sicherheit ist entbrannt.
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DüsseldorfDie Kollegen von Irene N. treffen sich am Jahrestag zu einem Gedenk-Gottesdienst und möchten dabei unter sich bleiben. Vor einem Jahr (26. September) fiel die beliebte Kollegin im Neusser Jobcenter einer brutalen Attacke zum Opfer. Ahmed S. hatte morgens zwei Messer eingepackt und war zu seiner Sachbearbeiterin gegangen. Weil der Arbeitslose, des Lesens und Schreibens kaum mächtig, eine Datenschutzerklärung gründlich missverstand, musste die Frau sterben.

Inzwischen ist S. vom Düsseldorfer Landgericht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof muss das Urteil noch prüfen. Doch in den Jobcentern fällt vielen die Rückkehr zur Normalität schwer. „Es ist ein Jahr her, aber noch lange nicht vorbei“, sagt Werner Marquis, Sprecher der Bundesarbeitsagentur für Nordrhein-Westfalen.

Der Mord war der bisherige negative Höhepunkt einer Reihe von Vorfällen. Personalräte und Jobcenter-Leiter hatten danach auf die brisante Situation in den Behörden hingewiesen. Aggressionen und Gewalt seien an der Tagesordnung.

Bundesweit kam die Sicherheit sämtlicher Jobcenter auf den Prüfstand. Gefahren wurden analysiert und – von Haus zu Haus verschieden – eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen.

Zugangs- und Leitsysteme wurden verändert, Fluchttüren eingebaut, Alarmsysteme verbessert, Türklinken durch Knäufe ersetzt, Büromöbel verrückt, zusätzliches Sicherheitspersonal eingestellt. „Da ist eine Menge passiert“, sagt Marquis. Von den heiß diskutierten Sicherheitsschleusen an den Eingängen habe man allerdings Abstand genommen. Ihr Einbau sei vielerorts nicht praktikabel gewesen. Der Aufwand soll dennoch in die Millionen gehen.

Die Jobcenter sind für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen („Hartz IV“) zuständig. Etwa 90 Prozent der „Kunden“ wurden früher von Sozialämtern betreut. Die Klientel gilt als schwierig, etwa jeder fünfte „Kunde“ sei psychisch auffällig, 80 Prozent hätten keine Berufsausbildung, berichteten Personalräte. Viele der Hilfesuchenden seien mit der Bürokratie überfordert.

Letzteres traf auch auf Ahmed S. zu. Der Marokkaner hatte in seiner Heimat neben der Koranschule nur drei Jahre eine richtige Schule besuchen können. Mit einem Intelligenzquotienten von 74 wies er zudem ein erhebliches geistiges Defizit auf, wurde aber dennoch als voll schuldfähig eingestuft.

Er hatte der Behörde unterstellt, illegalen Handel mit seinen persönlichen Daten zu treiben. Eine Fernsehsendung hatte seinen Argwohn geweckt. Dabei hatte das vermeintlich verdächtige Formular nur die Weitergabe der notwendigen Daten an potenzielle Arbeitgeber geregelt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Jobcenter-Mord: „Es ist lange nicht vorbei“"

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  • Niemand wird gezwungen als "Kundenberater"im Jobcenter zu arbeiten!Zumal viele der dort angestellten Berater ehemalige Post und Telekommitarbeiter waren welche in einem Schnellkurs auf ihr neues Betätigungsfeld vorbereitet wurden.Das Niveau dieser Berater ist zum Teil erbärmlich.Jobs gibt es eh keine mehr und deshalb wird der Frust auf den "Kunden" abgewälzt und dabei wird auch oft beleidigt und gedroht!Der sogennante längere Hebel wird von den Möchtegernberatern permanent betätigt und in manchen Fällen bricht der Hebel halt!
    Jobcenter suggeriert schon dem Namen nach das es Jobs gibt, aber offensichtlich geht es hier nur darum noch mehr Arbeitslose zu verhindern und straf und freigesetzte
    Post, Bahn und Bundeswehrmitarbeiter angemessen zu beschäftigen.Dabei spielt auch der IQ keine Rolle was beim -politischinkorekt-deutlich wird.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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