Johann Freiherr von Bethmann ist tot
Freund der Kunst – Kritiker der Wirtschaft

Der „Hackethal der Bankiers“ ist tot – der ehemalige Privatbankier und Wirtschaftspublizist Johann Freiherr von Bethmann starb am 19. September im Alter von 83 Jahren. Bethmann galt dabei nicht nur als kritischer Geist, sondern auch als großer Förderer.

sos FRANKFURT. Ein streitbarer Geist ist er immer gewesen, der Frankfurter Privatbankier Johann Philipp von Bethmann. „Als Deutschlands am meisten auf Publizität bedachte Kassandra“ titulierte ihn einst die Wirtschaftswoche, weil er Ende der 80-er Jahre vor dem Platzen der „Seifenblase der überschuldeten Weltwirtschaft“ warnte. Den westlichen Wohlstand sah er in seinen Publikationen wie ein „Kartenhaus“ zusammenbrechen.

Der Bankier, der die Geschicke eines der ältesten deutschen Geldhäuser dreißig Jahre lang leitete, legte sich später als Wirtschaftspublizist auch kräftig mit der Bundesbank an. Er kritisierte deren – in seinen Augen – verfehlte Zinspolitik. Bundesbankpräsident Karl-Otto Pöhl konterte und nannte Bethmann in Anspielung auf einen umstrittenen Mediziner den „Hackethal der Bankiers“. Auch sein Vorschlag, das Personal der Landeszentralbanken nach Gründung der Europäischen Zentralbank auf die Hälfte zu reduzieren, nahmen ihm viele übel.

1983 verkaufte der Bankier die restlichen Anteile an der Familienbank Bethmann, die einst von seinem Urururgroßvater gegründet worden war und die heute zur niederländischen ABN Amro gehört.

Doch Bethmann war nicht nur der harsche Kritiker der Wirtschaft, sondern vor allem auch ein Förderer von Kunst und Kultur in seiner Heimatstadt Frankfurt. 1999 wurde er dafür mit der Goethe-Plakette der Stadt geehrt. Gleich zweimal erhielt er das Bundesverdienstkreuz – 1973 und 1991. Der politische Erfolg blieb dem langjährigen CDU-Mitglied allerdings verwehrt. In den Bundestag zog er nie ein.

Johann Philipp Freiherr von Bethmann starb am 19. September mit 83 Jahren.

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