John Sax ist der Besitzer des Luxus-Hotels Treetops
Saubere Atemluft

Der Neuseeländer John Sax hat einen eigenen Begriff von Umweltschutz. In einer Öko-Lodge - strikt gebaut nach ökologischen Prinzipien und mit ungeheurem Aufwand - bringt er Städter zurück zur Natur. In der Stadt setzt er sich für die Eingliederung von Kriminellen ein.

ROTORUA. Der Wasserfall ist geradezu kitschig malerisch, eher Filmkulisse als Wirklichkeit. "Nein, es ist alles echt", sagt John Sax. "Und unberührt." Drei Autostunden südlich der neuseeländischen Stadt Auckland, in der Nähe von Rotorua, hat Sax sein spirituelles Zuhause. Zwischen meterhohen Farnen, dem Symbol Neuseelands, hat er mitten in einem 1 000 Hektar großen Wildnisgebiet ein einzigartiges Paradies geschaffen: das luxuriöse, international ausgezeichnete Boutiquehotel Treetops.

Sax verwirklichte einen kühnen Traum. Er ließ die Anlage nach seinen Vorstellungen bauen - nach strikt ökologischen Prinzipien und mit ungeheurem Aufwand. Sämtliches Holz stammt aus vor hundert Jahren gefällten Bäumen. "Jeder sagte, es sei nicht möglich." Sax musst alte Schreiner finden, die noch wussten, wie man aus einem Baumstamm Fensterrahmen zimmert. Um die für den Bau zwangsläufig notwendigen Schäden an der Umwelt wettzumachen, pflanzte Sax Zehntausende von Bäumen - viele eigenhändig. Die Kosten waren astronomisch. Aber was tut man nicht alles für eine Liebe. "Ja, es ist eine Liebesgeschichte", meint John Sax. Die Liebe zur Natur begann als Kind mit einem Trauma, als sein Vater - ein Bauer - sein Landwirtschaftsgut rodete und die Wassergebiete trockenlegte. Im Alter von neun Jahren schwor sich Sax, nicht denselben Weg zu gehen. Er begann zu träumen. Von einer besseren Welt.

John Sax, 53 Jahre alt, ist Herr über ein Firmenimperium und Besitzer eines der exklusivsten Luxus-Boutiquehotels der Welt. Vertrauter von Wirtschaftsführern, Präsidenten, Premierministern, Hollywood-Stars, aber auch von Mördern, Vergewaltigern und Straßenkindern. John Sax hat drei Besessenheiten: die Erhaltung der Natur, die Eingliederung von Kriminellen in die Gesellschaft und die Rettung geschundener Kinder. "Es kommt nicht darauf an, was man an materiellen Werten anhäuft, sondern auf das, was man für die Nachwelt zurücklässt. Man kann so viele Ferraris kaufen, wie man will. Ins Jenseits mitnehmen kann man sie nicht", sagt er. Nicht, dass sich Sax keinen Ferrari leisten könnte. Er ist einer der wohlhabendsten Geschäftsleute Neuseelands. Über ein Konglomerat von Unternehmen kontrolliert er zahllose Industrieanlagen im In- und Ausland.

Eine Tellerwäschergeschichte: Im Alter von 19 Jahren bricht der Träumer das Studium ab. Er hat gerade mal 320 Dollar in der Tasche. Sein Einfallsreichtum und brillanter Geschäftssinn machen ihn in kürzester Zeit zum Millionär. Aber mit 24 ist er nach einer Reihe von Fehlentscheidungen fast wieder pleite. Doch der junge Mann lernt aus seinen Fehlern und rappelt sich wieder auf. Er kauft ausgediente Industriegebiete, ehemalige Kühlanlagen am Hafen von Auckland, reinigt und restauriert das Land, baut Lagerhallen und Geschäftsgebäude. Diese verkauft er nicht, sondern vermietet sie langfristig. Der Kundenstamm ist bunt: L?Oréal, Siemens, Sharp und die neuseeländische Polizei haben sich in seinen Anlagen eingemietet. Die Formel geht auf. Sax gehört heute ein Drittel der Fläche der kommerziellen Grundstücke in Auckland, der größten Stadt Neuseelands.

Ein paar Stunden später, und John Sax hat Wanderstiefel und Regenjacke gegen schwarze Halbschuhe und Sakko eingetauscht. Wenn der Tycoon in sein Hauptquartier in Auckland kommt, muss man genau hinschauen, bis man merkt, wer der Boss ist.

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