Joseph Ratzingers Kriegs-Jahre
Zwangs-Hitlerjunge und Flakhelfer

Englische und amerikanische Medien haben sich schnell für die Jahre interessiert, in denen der junge Papst der Hitler-Jugend angehörte. Pünktlich zum Besuch Benedikts in der Heimat ist die Geschichte seiner Jugend aufgearbeitet.

HB MÜNCHEN. „Vom Hitlerjungen zum Papa Ratzi“ titelte das englische Boulevardblatt „Sun“ einen Tag nach der Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst. Doch was geschah wirklich in den Jahren, in denen die Nationalsozialisten Deutschland beherrschten und Ratzinger das Studienseminar St. Michael in Traunstein besuchte?

„Diese Dinge mussten aufgearbeitet werden“, sagt Peter Pfister, Archivdirektor der Erzdiözese München-Freising. Sein Mitarbeiter Volker Laube hat die Archivbestände des Seminars untersucht. Die Ergebnisse wurden Papst Benedikt XVI. vorgelegt, der einer Veröffentlichung zustimmte.

Pünktlich vor Benedikts Besuch in der Heimat ist die Geschichte des Seminars aufgearbeitet ­ wohl auch, um zu verhindern, dass ähnliche Schlagzeilen wie bei der Wahl die Bayern-Reise begleiten. Denn die Untersuchungsergebnisse sprechen für den heutigen Papst und stützen die Ausführungen, die er in einigen seiner Bücher niedergeschrieben hat.

Ratzinger erläutert in seiner Biografie, dass das Gedankengut der Nationalsozialisten in seinem Elternhaus nie Eingang gefunden hatte. „Mein Vater sah freilich mit einer unbestechlichen Hellsicht sehr genau, dass ein Sieg Hitlers nicht ein Sieg Deutschlands sein würde, sondern ein Sieg des Antichristen (...).“ Im Buch „Salz der Erde“ hebt er des Vaters „dezidierte Gegnerschaft gegenüber dem Regime“ hervor.

Das Traunsteiner Seminar, in dem die Buben herangeführt werden sollten an ein Leben als Priester, war den Machthabern ein Dorn im Auge. Die ideologischen Auseinandersetzungen in Seminar und Schule haben Joseph Ratzinger darin bestärkt, Priester zu werden. Ein Nebenportal des Seminargebäudes wurde von Unbekannten beschmiert, auf Druck der Machthaber musste die Kardinal-Faulhaber-Straße vor dem Gebäude umbenannt werden. Im humanistischen Gymnasium, das dem Seminar eng verbunden war, wurden der Obrigkeit missliebige Lehrer ausgetauscht.

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