Juan Carlos wird 80

König ohne Reich

Der spanische König fiel beim Volk wegen einer Luxusreise mitten in der Wirtschaftskrise in Ungnade. Er dankte ab und wurde vergessen. Dabei führte er das Land einst in die Demokratie. Nun wird er 80 Jahre alt.
Kommentieren
Vom ersten Demokraten zum gefallenen Helden. Quelle: dpa
Juan Carlos I. wird 80

Vom ersten Demokraten zum gefallenen Helden.

(Foto: dpa)

MadridVon großen Geburtstagspartys hält er nicht viel. Auch früher hat der spanische König Juan Carlos I. seine Jubiläen öfter nur mit der Familie gefeiert. Ein Ehrentag wie der 80. ist aber an sich ein Muss für royalen Pomp und höchste Ehren. Doch Spanien gönnt seinem König, der 2014 nach einem Skandal abdankte, weder einen Staatsakt noch ein Fest mit internationalem Adel.

Die Spanier sind ihrem König noch immer gram, weil er 2012, mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zur Elefantenjagd nach Botswana fuhr. Dummerweise brach er sich dabei die Hüfte – dadurch wurde nicht nur die Reise bekannt, sondern auch seine Begleitung: die 27 Jahre jüngere deutsche Corinna zu Sayn-Wittgenstein.

Das sind die Monarchen dieser Welt
Elizabeth II.
1 von 30

Königin Elizabeth II. (*1926) regiert seit 1952 und ist das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Als Königin ist sie Oberhaupt von 16 unabhängigen Staaten, unter anderen Großbritannien, Australien und Antigua. Elizabeth ist parlamentarische Monarchin und hat wenig direkte politische Macht, sondern überwiegend repräsentative Aufgaben. Allerdings ernennt und entlässt sie offiziell den britischen Premierminister und wird wöchentlich über die politische Entwicklung im Land informiert. Für eine Königin hat Elizabeth II. eine eher ungewöhnliche Berufsausbildung absolviert: Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie zur Fahrzeugmechanikerin ausgebildet.

Qabus ibn Said
2 von 30

Sultan Qabus ibn Said (r., mit Turban) herrscht seit 1970 als absoluter Monarch über den Oman. Seit 2011 gibt es Bestrebungen, die Verfassung zu reformieren und aus der absoluten Monarchie des Oman eine konstitutionelle Monarchie zu machen, in der der Sultan in seiner Macht deutlich beschränkt wäre. Qabus ibn Said pflegt eine enge Beziehung zu Deutschland und besitzt ein Anwesen in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen.

Margrethe II.
3 von 30

In Dänemark regiert seit 1972 Königin Margrethe II. (*1940). Sie konnte nur Monarchin werden, weil ihr Vater im Jahr 1953 die Verfassung dahingehend änderte, dass auch weibliche Nachkommen den Thron besteigen können. Margrethes Aufgaben als Staatsoberhaupt bestehen größtenteils aus der Repräsentation Dänemarks, Grönlands und der Färöer-Inseln. Sie übt begrenzt politische Aufgaben aus, so ernennt und entlässt sie formell den Regierungschef.

Carl XVI. Gustaf
4 von 30

Ein weiteres bekanntes Gesicht des europäischen Hochadels ist der schwedische König Carl XVI. Gustaf (*1946). Er regiert seit 1973 und ist damit der am längsten regierende schwedische König. Zu Beginn seiner Regierungszeit im Jahr 1973 war Carl XVI. Gustaf noch mit nahezu autokratischen Herrschaftsrechten ausgestattet, welche aber schon kurze Zeit später von der schwedischen Regierung beschränkt wurden, und den König zu einem repräsentativen und zeremoniellen Staatsoberhaupt machten.

Hassanal Bolkiah
5 von 30

Eines der eher unbekannteren Gesichter ist der Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah (*1946). Er ist seit 1967 absoluter Herrscher des Sultanats Brunei, einem Nachbarland von Malaysia. Brunei zählt aufgrund seiner Ölvorkommen zu den reichsten und höchst entwickelten Ländern Asiens und hat etwa 420.000 Einwohner.

Mswati III.
6 von 30

König Mswati III. ist seit 1986 das absolutistisch herrschende Staatsoberhaupt von Swasiland, einem Nachbarstaat von Südafrika und Mosambik. Er gerät wegen seines ausschweifenden Lebensstils immer wieder in die Kritik, da der Großteil seiner 1,4 Millionen Untertanen in Armut lebt. Jegliche politische Betätigung durch das Parlament ist durch König Mswati III. unter Androhung von Haftstrafen verboten.

Akihito
7 von 30

In Japan ist seit 1989 Akihito der 125. Kaiser. Da es verfassungsrechtlich kein Staatsoberhaupt in Japan gibt, ist der Kaiser als „Symbol des Staates“ ein reiner Repräsentant Japans. Die Monarchie in Japan gilt als die älteste noch existierende weltweit. Der Kaiser und seine Familie genießen in Japan ein hohes Ansehen, Akihitos Vorfahren wurden sogar als Gottheiten verehrt. Am 30. April 2019 will Akihito abdanken – es wäre das erste Mal seit 200 Jahren, dass ein japanischer Kaiser sein Amt zu Lebzeiten abgibt. Sein Nachfolger wird Kronprinz Naruhito.

Die spanische Presse reagierte empört und begann, über die zahlreichen bis dato verschwiegenen außerehelichen Affären des Königs zu berichten. Der Zorn der Spanier steigerte sich derart, dass Tausende von Demonstranten gleich die Abschaffung der Monarchie forderten. Im Juni 2014 dankte Juan Carlos ab und übergab den Thron an seinen Sohn Felipe VI.

Rolle im Abseits

Der distanzierte sich bewusst von seinem Vater – und wies ihm ein Büro im Madrider Königspalast zu, das 14 Kilometer von der eigentlichen royalen Residenz, dem Zarzuela-Palast, entfernt liegt. Zu öffentlichen Anlässen erscheint Juan Carlos, der den Titel des Königs auf Lebenszeit behält, kaum noch.

Der Monarch hat seine Rolle im Abseits kommentarlos angenommen. Aber als er im vergangenen Sommer nicht zur Feier des 40. Jahrestags der ersten demokratischen Wahlen nach der Franco-Diktatur eingeladen wurde, platzte ihm der Kragen. Die spanischen Zeitungen El País und El Mundo berichteten, Juan Carlos habe sich in seinem Umfeld darüber beklagt, dass man ihn von dem Festakt im spanischen Parlament ausgeschlossen habe. Felipe dagegen hielt dort eine Rede.

Der neue König am 22. November 1975 im Ständeparlament in Madrid. Hinter ihm sitzt Königin Sofia. Quelle: dpa
Bei der Thronrede

Der neue König am 22. November 1975 im Ständeparlament in Madrid. Hinter ihm sitzt Königin Sofia.

(Foto: dpa)

Dabei war es Juan Carlos, der Spanien mit auf den Weg in die Demokratie geführt hatte. Der ehemalige spanische Diktator Francisco Franco hatte „Juanito“, wie das ganze Land ihn als Kind nannte, zu seinem Nachfolger auserkoren. Am 5. Januar 1938 im römischen Exil geboren, kehrte Juanito im Alter von zehn Jahren nach Spanien zurück, um dort zur Schule zu gehen. Auf Militärakademien wurde er auf seine spätere Rolle als faschistischer König vorbereitet.

Zwei Tage nach Francos Tod, im November 1975, bestieg Juan Carlos im Alter von 37 Jahren den mehr als vier Jahrzehnte lang verwaisten Thron. Zur Überraschung der Spanier setzte er sich für eine freie und moderne Gesellschaft sein. Im Sommer 1977 fanden die ersten demokratischen Wahlen nach der Diktatur statt. Sie waren nicht nur das Verdienst des Königs, aber er hat entscheidend dazu beigetragen. Als ein Jahr später das Volk die spanische Verfassung verabschiedete, hatte Spanien die schwierigen Jahre der Transición, des Übergangs, gemeistert.

Verteidiger der Demokratie

Nur 1981 hätte die Geschichte noch eine andere Wende nehmen können, als Angehörige der spanischen Armee einen Putsch versuchten. In einer Fernsehansprache verteidigte Juan Carlos vehement die Demokratie und forderte die Rebellen zur Aufgabe auf – mit Erfolg. Sein entschlossenes Eingreifen hat ihm bei den Spaniern große Sympathien verschafft. Lange verziehen sie ihm kleine Fehler und eheliche Fehltritte – bis sie zu jener Elefantenjagd in Botswana.

Einen Vorteil hat das verordnete Abseits für Juan Carlos – seitdem geht es ihm gesundheitlich wieder besser. Von den zahlreichen Operationen in den letzten Jahren seiner Amtszeit hat er sich erholt und kann sogar wieder seiner Passion nachgehen, dem Segeln.

Im Juni 2014 dankte der König ab und übergab den Thron an seinen Sohn. Quelle: AFP
Mit seinem Sohn Felipe VI.

Im Juni 2014 dankte der König ab und übergab den Thron an seinen Sohn.

(Foto: AFP)

Von seiner zweiten Leidenschaft, der Jagd, redet er indes lieber nicht mehr. Der Ausflug nach Botswana war nicht das erste folgenschwere Ereignis mit der Waffe. Als Juanito 18 Jahre alt war, spielte er mit seinem Bruder Alfonso mit einer Pistole. Plötzlich löste sich ein Schuss und traf Alfonso mitten in die Stirn. Der tragische Tod des kleinen Bruders war in Spanien stets ein Tabuthema.

Juan Carlos blickt auf ein bewegtes Leben zurück, sein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm sicher, auch ohne Staatsfeier zum 80. Das für heute geplante Frühstück mit der erweiterten Familie ist angesichts des schwierigen Verhältnisses zu seinem Sohn für ihn womöglich sogar der wichtigere Akt.

Startseite

Mehr zu: Juan Carlos wird 80 - König ohne Reich

0 Kommentare zu "Juan Carlos wird 80: König ohne Reich"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%