Jubiläum
Der Eiffelturm: Spitzen-Verdiener

Zum 120. Geburtstag bekommt der Eiffelturm ein neues Geschäftsmodell. Im Wahrzeichen der Franzosen soll amerikanische Spaß- und Servicekultur Einzug halten.

PARIS. Endlich gleiten die Schiebetüren zur Seite. Kamerabehängte Touristen drängen in die Kabine des Aufzugs. Über eine Stunde mussten sie draußen warten, nun dürfen auch sie auf den Eiffelturm fahren. Eine Glocke schrillt. Die Türen schließen sich, die Kabine hebt sich mit einem leichten Ruck. Schon beginnen die ersten Besucher, durch die milchige Seitenscheibe der Kanzel Erinnerungsbilder zu knipsen.

Was sie nicht sehen: Unter ihnen, am Fuße des Stahlturms, senken sich fast geräuschlos zwei riesige gelbe Tonnen herab, um mit bis zu 60 bar Druck Wasser in die Steuerrohre der Fahrstuhlanlage zu drücken. Yves Camaret lehnt an einem Eisengitter und blickt auf die Maschinerie. "Die hydraulischen Fahrstühle hat Gustave Eiffel selbst entworfen", sagt der Chefingenieur des Eiffelturms, "und die Mehrzahl der Bauteile stammt noch aus der Gründerzeit."

Seit Dienstag ist Eiffels "alte Stahldame", wie Camaret den Turm liebevoll nennt, 120 Jahre alt. Am 31. März 1889 wurde das Bauwerk eingeweiht. Der Eiffelturm ist nicht nur das Wahrzeichen von Paris, sondern auch ein florierendes Unternehmen. Aber nun sind seine Eigner mit der Rendite nicht mehr zufrieden und wollen dem vierfüßigen Riesen ein besseres Geschäftsmodell verpassen. Mehr Service, mehr Spaß - und weniger Warterei.

Das Übel kann Nicolas Lefebvre jeden Tag besichtigen, wenn er am Eiffelturm vorbei ins Büro an der Quai de Grenelle fährt. Mehrere Hundert Meter lang ist die Schlange vor den Kassenhäuschen am Fuß des Turms. Es ist kalt, es ist windig, es regnet. Die Besucher bewegen sich kaum.

Das ärgert nicht nur sie, das ärgert auch Lefebvre. "In der Zeit, in der die Leute in der Schlange stehen, können sie kein Geld auf dem Turm ausgeben", sagt der Chef der Betreibergesellschaft des Eiffelturms, der "Société d'exploitation de la Tour Eiffel". Das Hemd trägt er entgegen der üblichen Pariser Etikette lieber offen. Bisher musste Lefebvre vor allem den Turm gut pflegen. Zum Geburtstag spendiert er der Stahldame daher gerade 60 Tonnen frische Farbe und steckt 170 Millionen Euro in eine Renovierung der 324 Meter hohen Stahlkonstruktion. Die beiden Hydraulik-Fahrstühle modernisiert gerade die deutsche Firma Bosch.

Aber Lefebvres Arbeitgeber, die Stadt Paris, der der Turm gehört, will mehr. Der Turmchef soll die Einnahmen steigern. Ein bisschen amerikanische Spaß- und Servicekultur soll her, so wie auf der Fifth Avenue in New York vielleicht. Eine Grafik der Prachtstraße hat Lefebvre in seinem Büro aufgehängt.

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