Jugendlicher in Brüssel wollte MP3-Player
Verdächtiger nach spektakulärem Mord gefasst

Zwölf Tage lang verfolgte die Polizei eine falsche Fährte, dann kam die Wende: Die Identität des flüchtigen Hauptverdächtigen, der am Gründonnerstag mitten im belebten Brüsseler Bahnhof Raubmord an einem 17-Jährigen begang, ist geklärt.

HB BRÜSSEL. Nach tagelanger intensiver Fahndung hat die Polizei den Raubmord wegen eines MP3-Players praktisch aufgeklärt. Einen 16-jährigen Jungen nahmen die Fahnder in der Nacht zum Dienstag fest. Ein gleichaltriger Komplize, der das 17 Jahre junge Opfer mit fünf Messerstichen getötet haben soll, war zunächst noch auf der Flucht.

Eher verschwommene Bilder von Überwachungskameras im Bahnhof füllten seit der Tat die belgischen Medien, lieferten anfangs aber keine heiße Spur. Doch die Fahnder hatten Glück. Der lokale U-Bahnbetreiber sicherte und sichtete sämtliche Aufnahmen aus den Metrostationen der Hauptstadt. Dort tauchten die Täter kurz nach der Tat wieder auf. Als die Kripo diese schärferen Aufnahmen schließlich Lehrern und Schuldirektoren vorlegte, bekam sie den heißen Tipp.

Die Identität des flüchtigen Hauptverdächtigen sei bekannt, erklärte Kriminaldirektor Glenn Audenaert am Dienstagmorgen: „Wir sind zuversichtlich, ihn festnehmen zu können.“ Dennoch bleibt nach dem Entsetzen über die Tat und der Freude über den Fahndungserfolg für viele Belgier ein schaler Nachgeschmack.

Als die Täter dem 17-jährigen Joe Van Holsbeeck sein fast 500 Euro teures Musikgerät raubten und ihr Opfer blutüberströmt zurückließen, hielt niemand in der Bahnhofshalle die beiden jugendlichen Räuber auf. Zeugen, darunter ein Freund des Ermordeten, setzten die Fahnder auf eine falsche Fährte. Die Täter, so hieß es, seien offenbar nordafrikanischer Herkunft. Die unscharfen Bilder der Kameras zeigten zwei dunkelhaarige Burschen.

Obwohl der Vater des Getöteten zur Besonnenheit aufrief und sich jede politische Instrumentalisierung verbat, geriet rasch die muslimische Gemeinschaft ins Visier. Deren Imame sollten im Freitagsgebet zur Auslieferung der Täter aufrufen, verlangten viele. Am Sonntag demonstrierten 80 000 Menschen bei einem Schweigemarsch durch die Brüsseler Innenstadt für ein friedliches Zusammenleben.

Zwölf Tage nach der Tat kam die Wende. Ein Lehrer erkannte statt der üblichen Verdächtigen einen 16 Jahre alten Schüler polnischer Herkunft auf den Aufnahmen. Die Polizei bestätigte, dass auch der Hauptverdächtige ein Pole sei. Damit bekam die angestoßene Debatte über das friedliche Zusammenleben der gesellschaftlichen Gruppen in Belgien am Dienstag eine neue, ungeahnte Dimension.

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