Jukebox wird 125

Eine Musik-Revolution für fünf Cent

„Music on demand“: Die Vorgänger von Youtube und Spotify sind 125 Jahre alt. Die ersten Musikboxen ermöglichten zu hören, was man wollte und wann man wollte. Schnell wurde die Jukebox Alltagskultur.
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Die Geschichte der Jukebox
Phonograph in eine Kiste
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Der US-amerikanische Ingenieur und Erfinder Thomas Edison war mit seinem Phonographen besonders erfolgreich. Sein Angestellter Louis T. Glass kam auf die Idee, den Phonographen in eine Kiste zu packen und zehn Kopfhörer anzuschließen. Jetzt konnten mehrere gleichzeitig die Musik mit dem Knistern hören.

Kurzer Hörgenuss
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Für Musik musste man zahlen: Fünf Cent kostete der kurze Hörgenuss. Weil das Fünf-Cent-Stück in den USA Nickel heißt, nannte man die Kästen zunächst „Nickel-in-den-Schlitz-Spieler“.

Symbol für die 1950er Jahre
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Zunächst lief oft Klassik und Jazz – Rock 'n' Roll kam erst später mit dem Wurlitzer „Bubbler“. Der Sachse Rudolph Wurlitzer wurde nach seinem Tod zur Legende: Seine Musikboxen, in denen Luftblasen aufstiegen, wurden zum Symbol für die 1950er Jahre.

Die große Auswahl
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Musik aus der Konserve hatte es erst nur vom automatischen Klavier gegeben, in dem eine Walze immer das gleiche Musikstück abspielte. Bald wurde aus der Walze eine Platte und aus der Platte wurden Platten. Man konnte selbst wählen, was man hörte.

Huhn auf dem Plattenteller
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Die Musikbox „The Dancing Chicken“ in New York ließ für 25 Cents nicht nur Musik spielen: Es öffnete sich eine Tür, durch die ein Huhn spazierte, um sich auf dem rotierenden Plattenteller sein Futter zu holen. Mitte des letzten Jahrhunderts waren Jukeboxen so populär, dass in den USA drei Viertel aller Single-Schallplatten in den Geräten landeten.

Sammlerstücke
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In den Fünfziger und Sechziger Jahren war die Jukebox ein Stück Alltagskultur – heute müssen Sammler Tausende Euro für eine gut erhaltene Jukebox ausgeben, Ausnahmen bringen es auf mehr als 100.000 Euro.

New YorkStumm hingen die Menschen da, dicht gedrängt, aber trotzdem gruß- und sprachlos mit den weißen Kopfhörern in den Ohren. Die Rede ist nicht von einer U-Bahn in diesen Tagen, sondern einer Vorführung im November 1889. Was da aus den Stethoskop ähnlichen Kopfhörern kam, war tatsächlich Musik. Rauschend, krächzend, kurz, aber Musik!

Es war eine Revolution für fünf Cent, aus der ein Milliardengeschäft und ein Stück Kultur wurde: Vor 125 Jahren wurde die Musikbox erfunden. Musik aus der Konserve gab es nur vom automatischen Klavier, in dem eine Walze immer das gleiche Musikstück abspielte. Wer ansonsten Musik hören wollte, musste Musikern lauschen – oder sie selbst machen.

Gleich mehrere Erfinder entwickelten in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts Möglichkeiten, Musik haltbar zu machen. Thomas Edison war mit seinem Phonographen besonders erfolgreich. Der Musikgenuss war kurz und kratzig, aber eine Sensation.

Einer seiner Angestellten, Louis T. Glass, kam auf die Idee, den Phonographen in eine Kiste zu packen und zehn Kopfhörer anzuschließen. Jetzt konnten mehrere gleichzeitig die leise Musik mit dem lauten Knistern hören – wenn sie denn dafür zahlten. Fünf Cent kostete der kurze Genuss, nach heutigem Geldwert etwa ein Euro. Weil das Fünf-Cent-Stück in den USA Nickel heißt, nannte man die Kästen „Nickel-in-den-Schlitz-Spieler“.

Nicht ganz überraschend haben sich griffigere Namen durchgesetzt, in Deutschland Musikbox. In Amerika ist das eine Spieldose – die große Kiste mit den Schallplatten nennt man Jukebox und keiner weiß so genau warum. Vermutlich kommt der Begriff aus dem Slang der Schwarzen und bedeutet „verrucht“, weil die Geräte nicht immer in den am besten beleumdeten Lokalen standen. Aber eigentlich standen sie überall.

Denn bald wurde aus der Walze eine Platte und aus der Platte wurden Platten. Man konnte selbst wählen, was man hörte. Und der elektrische Verstärker war in den Zwanzigern dann die Revolution, je lauter, desto besser. Mitte letzten Jahrhunderts war die Jukebox so populär, dass in den USA drei Viertel aller gepressten Single-Schallplatten in solch einem Gerät landeten, nur ein Viertel wurde für den Plattenspieler zu Hause gekauft.

Man traf sich, wo die Musik war
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