Kachelmann-Prozess
Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft

Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Jörg Kachelmann: die Anklage fordert eine mehrjährige Haftstrafe - auch wenn ihr klar sei, dass die Hauptzeugin gelogen habe.
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MannheimDer Wettermoderator Jörg Kachelmann soll wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung seiner Geliebten nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Kachelmann habe die Frau mit einem Messer in Todesangst bedroht und sei über sie hergefallen, sagte Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge am Mittwoch in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Mannheim. Kachelmann habe sich einer minderschweren Vergewaltigung in Tateinheit mit einer schweren Körperverletzung schuldig gemacht. Der Wettermoderator bestreitet die Vorwürfe. Das Urteil soll am 31. Mai verkündet werden. Auch der Anwalt der Nebenklägerin schloss sich der Forderung an.

Oltrogge sagte, die 37-jährige Radiomoderatorin habe sich die Verletzungen wie Schnittwunden und Hämatome an den Oberschenkeln zweifelsfrei nicht selbst beigebracht. Auch sei sie nicht fähig gewesen, die Spuren in der Wohnung in der Nacht nach der Straftat anzulegen. Kachelmann habe sie mit einem Küchenmesser bedroht und ins Schlafzimmer gezerrt. Dann habe er sie vergewaltigt, sagte Oltrogge. Es sei die Fortsetzung eines Beziehungsstreits in einer narzisstischen Krise gewesen.

An dem Abend im Februar 2010 habe die seit elf Jahren mit ihm liierte Moderatorin ihn auf andere Beziehungen angesprochen. Dies habe Kachelmann eingeräumt und von einer „Vielzahl“ gesprochen.

Danach gibt es unterschiedliche Versionen. Die Moderatorin schilderte eine Vergewaltigung. Kachelmann sprach vor dem Ermittlungsrichter von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr. Der Wettermoderator wurde nach seiner Rückkehr von den Olympischen Winterspielen auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen. Nach einigen Monaten konnte er die Untersuchungshaft wieder verlassen. Kachelmanns Verteidigung wird am 24. Mai das Wort haben.

Anklagevertreter Oltrogge sagte, das mutmaßliche Opfer habe ihr Aussageverhalten im Laufe der Vernehmungen geändert. „Die Staatsanwaltschaft ist nicht so blöd, zu erkennen, dass die Zeugin in vielen Punkten gelogen hat“, sagte Oltrogge. Dennoch glaube ihr die Anklage in den Passagen der Vergewaltigung.

Zu Beginn des Plädoyers hatte Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn gemahnt, den Ablauf nicht zu detailliert zu schildern. Es sei das „letzte Gefecht“ der Staatsanwaltschaft, „wenn ganz bewusst die Medien zum Niedermacher des Angeklagten instrumentalisiert werden“. Am Vormittag hatte es eine Unterbrechung der Verhandlung gegeben, da die Verteidigung beantragt hatte, die Öffentlichkeit auszuschließen.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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