Kachelmann sagt Sendung ab: „Fuck the ARD“

Kachelmann sagt Sendung ab
„Fuck the ARD“

Die Rache des Wettermanns: Der SWR wollte Jörg Kachelmann zum Thema „Gesellschaftsspiel Klatsch“ einladen. Der reagiert in einem Brief mit einer bitteren, zynischen Generalabrechnung mit der ARD.
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DüsseldorfJörg Kachelmann rechnet ab, er tritt nach – und er hält den Medien den Spiegel vor. Jetzt ist die ARD dran. Die, genauer gesagt der Südwestrundfunk, wollte den Wettermoderator gern zu der Gesprächsrunde „Nachtcafé“ im SWR-Fernsehen einladen. Arbeitstitel: „Gesellschaftsspiel Klatsch“. Aufzeichnungstermin: 13. März auf Schloss Favorite in Ludwigsburg bei Stuttgart.

Kachelmann sollte in der Sendung, so hatte sich das die „Nachtcafé“-Redaktion vorgestellt, unter anderem darüber sprechen, „wie sich Menschen fühlen, die in der Öffentlichkeit stehen und bei jedem Schritt medial begleitet werden“ und Fragen diskutieren wie „Wann werden Grenzen überschritten und Menschen verletzt?“

Solche schriftlichen Anfragen sind im Talkshow-Geschäft gang und gäbe. Besser ist zwar ein persönlicher Kontakt, aber den gab es offenbar zu Kachelmann nicht. Das überrascht, hat er doch fast zwei Jahrzehnte für die ARD-Sender gearbeitet. Daher fällt die Reaktion des 55-Jährigen auf die unglücklich geratene Anfrage entsprechend hart aus.

Kachelmann antwortet auf die schriftliche SWR-Anfrage, deren Richtigkeit der SWR gegenüber Handelsblatt Online bestätigt, mit einem eineinhalbseitigen Brief, den er auf seine Homepage gestellt hat. Das Schreiben ist eine Generalabrechnung mit den Sendeanstalten der ARD, die lange seine Brötchengeber waren.

Aktuelle Brisanz erhält das Thema Vorverurteilung, medialer Spießrutenlauf auch durch einen aktuellen Fall: Dem SPD-Politiker Sebastian Edathy wird vorgeworfen, kinderpornografisches Material zu besitzen. Die Polizei hatte am Montag Büros und Privaträume des Ex-Abgeordneten durchsucht, der sein Mandat bereits Ende vergangener Woche niedergelegt hatte. Edathy weist die Vorwürfe zurück und will Strafanzeige erstatten.

Kachelmann, einst der beliebteste Wettermoderator Deutschlands, war im Mai 2011 nach einem spektakulären Prozess vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ex-Geliebten freigesprochen worden. Doch damit war seine Geschichte längst nicht zu Ende. Sie geht auch jetzt noch weiter.

Die Chefs der anfragenden SWR-Redakteurin nennt er in seiner Antwort „geltungssüchtige Narzissmus-Beamte, die gerne wichtige Anliegen aus dem Hause Burda und Springer übertragen und 2010 und 2011 schon gespürt haben, was opportun ist und in vorauseilendem Gehorsam gehandelt haben“.

Er wirft dem SWR wie fast allen Medien vor, ihn vorverurteilt zu haben, mit seinem Fall Quote gemacht zu haben – trotz und auch gerade noch nach dem Freispruch wegen Vergewaltigung. „Ihre Chefs können Ihnen beantworten, welche Wirkung Klatsch hat“, schreibt Kachelmann. Namentlich nennt er niemanden, es liegt aber nahe, dass er unter anderem SWR-Intendant Peter Boudgoust und Fernsehdirektor Christoph Hauser meint und generell sämtliche Führungsetagen bei den ARD-Anstalten.

Der SWR äußert sich auf Anfrage von Handelsblatt Online: „Nachdem Herr Kachelmann sich also selbst offensiv mit dem Thema bereits in der Öffentlichkeit präsentiert hat, mussten wir davon ausgehen, dass eine Anfrage an ihn auf dieser Grundlage eine reale Aussicht auf Erfolg hat“, schreibt Pressesprecherin Anja Görzel.

Der SWR bedauere sehr, dass Kachelmann nun so heftig regierte habe, respektiere aber selbstverständlich seine Absage. „Gleichwohl glauben wir nicht, in irgendeiner Weise Anlass zu Vorwürfen gegeben zu haben.“ Gerade das „Nachtcafé“ sei bekannt für seinen sensiblen Umgang mit heiklen und persönlichen Themen. „Insofern hätten wir in der Sendung mit Sicherheit einen sehr angemessenen Umgang mit Herrn Kachelmann gefunden“, so Görzel.

Kommentare zu " Kachelmann sagt Sendung ab: „Fuck the ARD“"

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  • Herr Kachelmann übersieht die Publizitätsgeilheit und gleichzeitige Willkür bei der Justiz. Dort liegt doch offenbar das eigentliche Übel. Deutschland ist schon lange kein Rechtsstaat mehr, weil sich der ganze Justizapparat verselbstständigt hat, Willkür herrscht, und Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

    Alles hatte doch den Anschein einer Verschwörung von Anfang an:
    Staatsanwälte, Richter, Schmierpresse, Staatsfunk, möglicherweise alle gemeinschaftlich im schmierigen Sumpf.

    Mannheimer Richter und Staatsanwälte sind ja nicht ganz unbekannt für ihre Art der Emittlung, und um den Ruf, Unschuldige in den Knast zu sperren.

    Neben der Presseschmiererei:
    Wann endlich kommt ein Straftatbestand gegen lügende oder publizitätgeile Staatsanwälte, lügende Polizisten, und die Richterwillkür in der Bundesrepublik Deutschland? In diesem Bald-Polizeistaat bewegen wir uns immer mehr in Richtung Willkür des Dritten Reiches, wo Richter ohne ordentliche Prüfung willkürlich Hausdurchsuchungen anordnen, beim Zoll eine wilde Willkür herrscht, und Richter Leute willkürlich monate- und jahrelang in Untersuchungshaft sperren können ohne Rechenschaft abgeben zu müssen.

    Wo sind da die vielgepriesenen angeblichen Menschenrechte? Ist das Grundgesetz für diese Leute nur noch ein Satiretatbestand, weil sie sich hinter ihrem Beamtenstatus verbergen können, und das Schlimmste, bei Fehltritten noch geschützt werden?

    Wen diese Gruppe Personen ins Visier genommen hat, dann machen sie denjenigen auch fertig. Sie haben es ja auch geschafft bei Kachelmann, ihm die Existenz kaputt zu machen. Und wie viele Mitbürger fressen es, unschuldig verurteilt zu bleiben, nur weil sie weder das Geld für Rechtsanwälte, noch den Nerv zu jahrelangen Verfahren haben, zumal sie vorher durch diese Gruppe ganz einfach kaputt gemacht worden sind, in Existenz und Privatleben?

  • Willkommen in der Unterschicht: Die Redaktion löscht sachliche Beiträge und lässt Kommentare wie:

    "Sie sind mit Ihrem Verhalten kein deut besser, als der ungebildetete Pöbel aus dem Mittelalter!

    Schon damals schrie man: "Verbrennt Sie! Sie ist eine Hexe!"

    als Kommentare stehen. Manch Älterer glaubt der Internetauftritt habe seine Wurzeln im Handelsblatt der 70er und 80er Jahre. Die Art mit welcher Beiträge editiert und gelöscht werden ist aber eindeutig Meinungsmache und zeigt mit welcher Sorgfalt das Personal beim Handelsblatt ausgewählt wird.

  • @EdmundStoiber

    Das sehe ich hundert Prozent genauso!

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