Kaffee-Krise in Italien und Spanien
Das Ende der Kaffee-Kultur

Heute feiert die Welt den Tag des Kaffees. Doch die Stimmung ist gedrückt. Selbst in den klassischen Kaffee-Ländern wie Spanien und Italien verdirbt die Krise den Menschen die Lust auf den kleinen Schwarzen.
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MailandEinen Frühstück ohne Cappuccino, ein Mittagessen ohne Verdauungs-Espresso als krönenden Abschluss? Unvorstellbar. Der Espresso und seine Varianten mit oder ohne Milch gehören zur mediterranen Küche in Italien dazu wie die Pasta und die Pizza. Daran konnten in der Vergangenheit auch Krisen nichts ändern. Die Nachfrage nach dem starken dunklen Gebräu war, was Ökonomen als unelastisch bezeichnen: Egal was passiert, ein „Caffe“ muss immer her.

Das hat sich nun geändert. Mit der jüngsten Krise und den Steuererhöhungen für die Haushaltssanierung sparen die Italiener auch beim Kaffee. Wie die International Coffee Organisation aus London mitteilte, ist der Kaffee-Verbrauch im vergangenen Jahr von 5,77 Kilogramm pro Kopf auf 5,68 Kilogramm pro Kopf eingebrochen – den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Ein Trend, der sich in diesem Jahr fortsetzt.

Was ist mit den Italienern los? Sie trinken nicht nur weniger Espresso in der Bar und kochen sich den Kaffee wieder zuhause. Die Menschen greifen auch zu günstigeren Marken und damit zu minderwertigen Bohnen. Das beweist die Tatsache, dass die Lagerhäuser der teuren Arabica-Bohnen derzeit voll sind, während die günstigeren Robusta-Bohnen stärker gefragt sind.

Der Preis des hoch qualitativen Arabica-Bohnen sank gegenüber dem 34-Jahreshoch von 3,09 Dollar pro Pfund im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf zuletzt 1,76 Dollar pro Pfund. Und der Trend ist nicht nur auf Italien beschränkt. Auch die Spanier nehmen ihren Cortado immer häufiger zuhause – wenn überhaupt.

„Die Verbraucher scheinen ihre Kaffee-Konsumgewohnheiten zu ändern, zum Teil indem sie zu weniger teuren Optionen greifen wie den Hausmarken der Einzelhändler oder indem sie seltener in der Woche in Kaffeebars gehen al bisher“, erklärt Maria Fernanda Branda von der auf Kaffee spezialisierten Beratung P&A in ihrem Kommentar für die International Coffee Organisation.

Sie weist aber auch darauf hin, dass der Verbrauch zwar in Krisenländern wie Spanien und Italien nachlässt, sich dafür aber in Ländern wie Indien, China und Mexiko die Coffee-Shops rapide verbreiten.

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