Kalifornien
Schwer kranker Todeskandidat hingerichtet

Der älteste Todeskandidat Kaliforniens, ein blinder Greis im Rollstuhl, ist am Dienstag hingerichtet worden.

HB SAN FRANNCISCO. Clarence Ray Allen (76), der 23 Jahre in der Todeszelle verbrachte, starb eine gute halbe Stunde nach Mitternacht (Ortszeit) im San Quentin-Gefängnis bei San Francisco durch eine Giftspritze, teilte die Gefängnisleitung mit. Er war 1982 wegen Anstiftung zum Mord zum Tode verurteilt worden.

Das Oberste Gericht der USA hatte am Montag gegen einen Hinrichtungsaufschub gestimmt. Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger lehnte zuvor ein Gnadengesuch des schwer kranken und und fast tauben Mannes ab. Sein Alter und Gesundheitszustand seien kein Grund, die Strafe auszusetzen, hieß es in der Begründung. Erst im Dezember hatte Schwarzenegger dem früheren Bandenführer Stanley Tookie Williams die Gnade verweigert.

Allen sei mit dem Rollstuhl in die Hinrichtungskammer geschoben worden, teilte eine Gefängnissprecherin mit. Die Prozedur habe ungewöhnlich lang gedauert und bedurfte einer doppelten Dosis eines Mittels, das den Herzstillstand herbeiführt. Der Mann habe sehr ruhig gewirkt, berichteten Reporter, die der Hinrichtung beiwohnten. Mit Erlaubnis des Gefängnisses durfte Allen ein Stirnband und einen Anhänger tragen, um damit seiner indianischen Abstammung Tribut zu zollen. Er hatte die letzten Stunden mit Familienmitgliedern, Freunden und Anwälten verbracht. Als letzte Mahlzeit wünschte sich der Diabetiker Büffelsteak, Hühnchen und zuckerfreien Kuchen mit Eis.

Die Anwälte des nach einem Herzinfarkt gebrechlichen Mannes, der am Montag 76 Jahre alt wurde, hatten die Hinrichtung als „grausame und ungewöhnliche Bestrafung“ zu blockieren versucht. Allen war der zweitälteste Häftling in den USA, der seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976 hingerichtet wurde. Rund zweihundert Menschen demonstrierten vor den Gefängnistoren gegen die Hinrichtung, berichtete der Radiosender KCBS. Zur Exekution von Williams, der im Gefängnis Kinderbücher gegen Gewalt schrieb und weltweit prominente Fürsprecher hatte, waren zweitausend Todesstrafengegner erschienen.

Wie Williams hatte auch Allen seine Unschuld beteuert. Der Anführer einer Diebesbande war 1977 wegen Anstiftung zum Mord zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Vom Gefängnis aus soll er drei weitere Morde angeordnet haben. Dafür hatte er 1982 die Todesstrafe erhalten.

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