Kanada Whistler: Party im großen Schnee

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Das soll nicht heißen, das kanadische Olympiadorf hätte nichts für gemäßigtere Seelen zu bieten. Trotz des jugendlichen Überschwangs gibt es herrliche Hotels und ausgezeichnete Restaurants. Vor einem knappen Jahr eröffnete in Whistler Creek, vier Kilometer weg vom Snowboarder-Trubel, die "Nita Lake Lodge", eine äußerst gelungene Arts & Crafts-Variante eines Boutique-Hotels, mit geräumigen Suiten, romantischem Blick auf einen der vielen Seen und einem hervorragenden Restaurant, dem "Jordan?s Crossing". Die noble Hotelkette "Four Seasons" ist vertreten ebenso wie die "Fairmont"-Gruppe. Das "Zen" in Whistler Creek zählt zu den besseren japanischen Restaurants des Kontinents, der "Wine Room" im Fairmont verfügt über eine der besten Weinkarten westlich von New York, und das "Player?s Chophouse" hat eine Steakauswahl, die Japaner en masse nach Whistler Creek lockt.

Doch das alles macht nicht den wahren Reiz von Whistler aus. Michelle, die in einer scheu versteckten Galerie ihren Lebensunterhalt verdient, ist eine der wenigen wahren "Einheimischen" im Ort und weiß von einigen Attraktionen mehr. Man solle sich die Zeit nehmen, meint sie, etwas weiter nach Norden zu fahren, da sei die Welt zwar ein wenig zu Ende, aber die Schönheit fange erst an. Die Straße nach Pemberton sei selbst im Winter noch recht gut befahrbar, danach wird?s auch für Offroader schwierig.

Hinter Darcy beginne dann erst der wirkliche Winter. Das ist - wie gesagt - nicht leicht zu erfahren, per Heli-Skiing geht das schon besser. Fast 1 800 Quadratkilometer, 173 Gletscher und 475 Pisten befliegt "Whistler Heli-Skiing" für reichlich viel Kohle, aber wer Wildnis will, kann es in Reichweite Vancouvers nicht besser haben.

Was Whistler jedoch völlig von den Vails und St. Moritzes unterscheidet, sind die Menschen, die dort schon seit langem die Berge hinunterrutschen: die "First Nation"-Stämme der Squamish und Lil?wat, die heute noch in der Region zwischen Vancouver und Whistler leben. Ihr Squamish Lil?wat Cultural Center, ein hochmoderner, ökologisch durchdachter Bau samt einem Langhaus der Squamish und einer Erdbehausung der Lil?wat, ist mit seinen Ausstellungen und Aktivitäten das Beeindruckendste, was der Ort zu bieten hat.

Die Stämme ließen sich diesen Bau - quasi im olympischen Gegenzug - von den kommerz-orientierten Organisatoren hinstellen. "Wir lebten hier schon, bevor die Zeit begann", beantwortet meine diesbezügliche Frage eine freundliche junge Dame, deren Squamish-Name mir vollkommen rätselhaft bleibt, deren Namensschild sie jedoch hilfreich als "Bernardine" ausgibt. "Wir sind auch noch nach den Spielen hier." Aber wer will schon so lange warten.

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