Kaputte Bäume
Der Biber nagt an Ulms Geduld

Die Biber sind zurück in, um und um Ulm herum. Die geschützten Tiere gedeihen hier prächtig - und krempeln mancherorts die Landschaft um. Die Stadt würde die Tiere nun am liebsten wieder verjagen.
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Die Sonne steht tief über der Friedrichsau. An diesem warmen Frühlingstag sind im Ulmer Stadtpark noch viele Spaziergänger unterwegs. Zahlreiche Leute strömen auf einen Festplatz. Unbeeindruckt von all dem städtischen Treiben ist eine Biberfamilie: sie hat sich in Ulms grüner Lunge niedergelassen.

Während sich die Friedrichsau zu ihrem 200. Geburtstag herausputzt, nagen vier bis sechs „Ulmer Biber“ die Bäume kaputt. Die Stadt möchte die geschützten Tiere loswerden. Ein Antrag auf Umsiedlung beim Regierungspräsidium Tübingen soll es richten.

Baden-Württemberg ist wieder Biberland geworden. Europas größter Nager wurde dieses Jahr erstmals wieder in allen Landkreisen gesichtet. Insgesamt schätzen Fachleute den Bestand auf rund 1500 Tiere. Der Biber wird bis zu 35 Kilogramm schwer und inklusive Schwanzkelle rund 135 Zentimeter lang. Bis er Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet wurde, galt er als wertvolle Jagdbeute. Heute ist er streng geschützt. In den 1960er Jahren wurde er in Bayern wieder ausgewildert, kam 1989 über die Donau nach Baden-Württemberg und breitet sich etwa über die Iller aus.

„Mit ihren Dämmen und Bauten gestalten die Biber Gewässerläufe naturnah um“, heißt es recht harmlos beim Regierungspräsidium Tübingen, der zuständigen Naturschutzbehörde. Konflikte bleiben aber nicht aus, zumal Baumeister Biber andere Vorstellungen von Landschaftspflege hat als der Mensch. Überflutete Wiesen, untertunnelte Wege, Fraß an Bäumen und Feldfrüchten sorgen für Ärger, zumal Landwirte die Schäden selbst tragen müssen. Für den Ausgleich der Interessen hat das Land ein „Bibermanagement“ eingerichtet. Biberbeauftragte im Regierungspräsidium und ehrenamtliche Berater helfen, wenn der Baumeister zu eifrig ans Werk geht.

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