Karneval in Rio Die größte Party der Welt

Polit-Krise, Korruption, Gewalt. Die Dauerthemen in Rio werden nun aber für einige Tage verdrängt, um die weltberühmte Straßenparty zu feiern. Aber auch die Samba-Sause bleibt nicht ohne düstere Anspielungen.
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Die brasilianischen Sambaschulen können während der Feierlichkeiten wieder zeigen, was sie drauf haben. Quelle: dpa
Karneval in Rio

Die brasilianischen Sambaschulen können während der Feierlichkeiten wieder zeigen, was sie drauf haben.

(Foto: dpa)

Rio de JaneiroMag die Krise im Lande noch so groß sein – in Rio de Janeiro wird dieser Tage gefeiert. Am Freitag (9. Februar) beginnt in der brasilianischen Atlantik-Metropole offiziell der Karneval: „Das größte Spektakel auf Erden“, wie Rios Bewohner, die Cariocas, die Mega-Party in aller Bescheidenheit nennen.

Die Stadt am Zuckerhut ist bereits seit Tagen in Karnevalsstimmung, Samba- und Tanzgruppen, sogenannte „Blocos“, feiern in vielen Vierteln. Das Straßenfest ist ein Tourismusmagnet. Die Organisatoren erwarten dieses Jahr rund 1,5 Millionen Besucher von außerhalb rund um den Karneval. Angemeldet sind 473 Blocos, 596 Umzüge wurden genehmigt.

Die symbolische Übergabe der Stadtschlüssel an König Momo bildet den Auftakt für die Party im weltberühmten Sambódromo. In der prachtvollen Paradestraße mit Platz für über 70.000 Besucher auf den Tribünen defilieren ab Freitag die besten Sambaschulen im Zentrum Rios. Der Sieger wird in der kommenden Woche ermittelt, bevor am übernächsten Samstag (17.) die Bestplatzierten ein letztes Mal durch das Sambódromo ziehen dürfen.

Wegen der anhaltenden politischen Krise Brasiliens wird aber auch mit symbolischen Protesten gerechnet. So plant die Sambaschule Beija-Flor eine Inszenierung mit einer Frankenstein-Monsterpuppe auf ihrem Umzugswagen zum 100. Veröffentlichungsjubiläum von Mary Shelleys Roman, wie die Zeitung „Folha de São Paulo“ berichtete – zugleich ein Hinweis auf den Zustand Brasiliens.

Ein großer Teil der Politik- und Wirtschaftselite des Landes sitzt seit Jahren wegen Korruption auf der Anklagebank. Zudem verschlechtert sich in Rio zusehends die Sicherheitslage. In vielen Favelas herrscht regelrecht Krieg.

Auch Rios strenggläubiger Bürgermeister dürfte wieder im Mittelpunkt stehen. Der Evangelikale Marcelo Crivella gilt als Karnevalsmuffel, berüchtigt ist er auch wegen seiner Verbalattacken auf Schwule und afrikanische Religionen.

2017 schwänzte Crivella die Eröffnungsfeier – ein Affront für die karnevalsverrückte Stadt. Nun gab er sich geläutert: „Wer den Karneval nicht mag, ist kein guter Bürgermeister“, sagte Crivella in Anlehnung an einen berühmten Samba-Text bei der Vorstellung des diesjährigen Programms.

  • dpa
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