Karnevalsvereinen gehen die Prinzen aus: Einsame Prinzessinnen

Karnevalsvereinen gehen die Prinzen aus
Einsame Prinzessinnen

Es ist der Stoff, aus dem tragische Liebesfilme sind: Ein junges, hübsches Mädchen wird zur Prinzessin gekrönt. Sie darf schöne Kleider tragen und ihr Volk hofiert sie. Doch hat sie keinen Prinzen, mit dem sie ihr Glück teilen kann. Dieses Schicksal erleiden gerade in diesen Wochen viele Frauen - zwar nicht im richtigen Leben, dafür aber in aller fastnächtlichen Öffentlichkeit.

DPA Den Faschingsgemeinden gehen die Prinzen aus. Immer weniger Männer wollen das närrische Hochamt übernehmen und ihre Gesellschaft prunkvoll repräsentieren.

Ganz alleine für Glanz und Gloria in der Fastnacht muss auch Daniela Landauer für ihren Verein in Rottendorf bei Würzburg sorgen. Der 25-Jährigen ist kurz vor dem 11.11. der Prinz abhanden gekommen. "Drei Wochen vor dem ersten öffentlichen Auftritt hat er mich einfach sitzen lassen", sagt Daniela wehklagend. Seitdem winkt sie einsam von zugigen Rathausbalkonen, erhebt auf Prunksitzungen alleine das Glas. Bei mehr als 30 Terminen von Anfang November bis Ende Februar richten sich alle Narren-Augen auf die Prinzessin - auf sie allein. "Gerade am Anfang fehlte mir jemand, mit dem ich meine Nervösität teilen konnte", sagt die junge Frau, die im richtigen Leben als Bürokauffrau arbeitet. So war ihr Start erstmal tränenreich. "Nach der Absage des Prinzen habe ich geheult." Schon immer sei es ihr Traum gewesen, eine Prinzessin zu sein. Aber so? Die Tränen sind längst getrocknet: "Das war das beste, was mir passieren konnte", sagt Daniela heute. Selbstbewusst behauptet sie öffentlich: "Ich brauch' keinen Mann". Ein Satz, der übrigens bei den Narren weniger gut ankomme als bei den Närrinnen. Die 1,73 Meter große Daniela hat nicht nur gelernt, die ungeteilte Aufmerksamkeit zu genießen - sie ist obendrein auch eine kleine Berühmtheit geworden. Über die Grenzen Bayerns hinweg berichteten Fernseh- und Radiosender von Danielas traurigem Schicksal. Sat.1 wollte sogar einen Aufruf nach Prinzen starten, was sie gerade noch vermeiden konnte.

So wie Daniela geht es einigen Prinzessinnen. "Ich weiß alleine in der Umgebung von sechs Gesellschaften ohne Prinzen", sagt Michael Habla, Sitzungsvorsitzender der Rottendorfer Karnevalsgesellschaft. Es finde wohl derzeit die "Angela-Merkelisierung der Fastnacht" statt, kommentiert er trocken. Sein Verein sei mit der allein regierenden Monarchin zwar äußerst zufrieden, aber beim nächsten Mal dürfte es gerne wieder ein Paar sein. "Das ist eine Prestigefrage: Das Prinzenpaar zeigt die Selbstständigkeit des Ortes", sagt Habla. Und ein Prinz zähle nun mal mehr als eine Prinzessin. Ganz nüchtern betrachtet dagegen der Präsident des fränkischen Fastnachtsverbands, Bernhard Schlereth, die Angelegenheit. "Es war nie leicht, Männer ins Prinzenamt zu bekommen. Mädchen wollen halt gerne Prinzessin werden, Männer lieber Cowboys", sagt er. Manche Fastnachtsvereine hätten deshalb von vornherein auf eine Monarchie verzichtet.

Ob mit oder ohne Prinz: Danielas privater Liebesfilm kommt zum Glück ohne Tragik aus: Wenn die brünette Rottendorferin abends ihre Krone ablegt, weiß sie nämlich sehr wohl einen Mann an ihrer Seite, ihren Freund Enrico.

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