Katastrophe auf der Wolga
Unglücksschiff hatte gar keine Lizenz

Technisch marode, völlig überladen und ohne Lizenz unterwegs. Das Schiffsunglück auf der Wolga nimmt immer tragischere Züge an. Mittlerweile haben die Behörden die Zahl der Opfer nach oben korrigiert.
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MoskauDas auf der Wolga gesunkene russische Unglücksschiff hat nach offiziellen Angaben illegal Passagiere transportiert. Die Betreiber der „Bulgaria“ hätten keine Lizenz zur Personenbeförderung gehabt, teilte die Ermittlungsbehörde am Montag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Die russischen Behörden haben die Zahlen der Toten und Vermissten nach dem Untergang eines Ausflugsschiffs auf der Wolga weiter nach oben korrigiert. Der Tod von 41 Personen wurde am Montag bestätigt und mehr als 80 Menschen wurden einen Tag nach dem Untergang noch vermisst Auch sei das Schiff mit etwa 200 Menschen deutlich überladen gewesen. So seien auf ähnlichen Schiffstypen höchstens 120 Passagiere erlaubt.

Mindestens 110 Menschen - unter ihnen mehr als 30 Kinder - waren ums Leben gekommen, als das Boot am Sonntag in einem Unwetter auf dem kilometerbreiten Strom sank. 25 Menschen hätten nicht auf der Passagierliste gestanden, sagte Zivilschutzminister Sergej Schoigu bei einem Treffen mit Kremlchef Dmitri Medwedew. Etwa 80 Menschen seien gerettet worden. „Nachdem Taucher das Wrack durchsucht haben, gibt es so gut wie keine Hoffnung mehr auf Überlebende“, sagte Schoigu. Bislang wurden mehr als 40 Leichen geborgen.

Ein Dutzend Froschmänner suchte mit starken Unterwasserlampen das Innere des doppeldeckigen Dampfers nach weiteren Opfern ab. „Chancen, Überlebende zu finden, sind nach Einschätzung der Taucher minimal“, sagte eine Ministeriumssprecherin. Der oberste Katastrophenschützer der Wolgaregion sagte, Leichen lägen im Restaurant und in einem Frachtraum der 56 Jahre alten „Bulgarien“.

Überlebende hätten berichtet, der Ausflugdampfer sei innerhalb von acht Minuten gesunken, ergänzte Igor Panschin. Unter den Vermissten sind nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax rund 30 Kinder. Sie hatten sich Medienberichten zufolge kurz vor dem Unglück zum Spielen in einem Raum am Heck des Schiffes versammelt. Insgesamt waren Medienberichten zufolge bis zu 60 Kinder an Bord. „Es ist praktisch kein Kind ins Freie gekommen“, sagte eine Frau dem staatlichen Fernsehen. „Es waren sehr viele Kinder an Bord, sehr viele.“ Sie selbst habe auf der Flucht die Hand ihrer Tochter nicht festhalten können.

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