Katastrophe in Bad Reichenhall: Oberbürgermeister weist Vorwürfe zurück

Katastrophe in Bad Reichenhall
Oberbürgermeister weist Vorwürfe zurück

In Bad Reichenhall kochen die Emotionen hoch. Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier fühlt sich öffentlich angefeindet. Drei Tage nach der Katastrophe in der beschaulichen Kurstadt ist er dem Nervenzusammenbruch nahe.

HB BAD REICHENHALL. Tränen stehen dem 55-Jährigen in den Augen, seine Hände zittern, als er mit erstickter Stimme aus einem Gutachten von 2003 über die Eissporthalle zitiert: „Die Tragkonstruktion, sowohl die Holzkonstruktion als auch die Stahlbetonkonstruktion, befinden sich in einem allgemein als gut zu bezeichnenden Zustand.“ Nach quälend langer Zeit präsentiert Heitmeier am Donnerstag Fakten gegen den Hauptvorwurf, er und seine Mitarbeiter hätten seit Jahren von maroden Dachbalken gewusst und nichts unternommen.

„Die Kinder könnten noch leben! Niemand schickte sie vom Eis“ und „Wer hat sie auf dem Gewissen?“ titelte nach dem Einsturz der Halle die Boulevardpresse. In Medien und Öffentlichkeit wurde Heitmeier die Verantwortung dafür zugewiesen, dass zwölf Kinder und drei Erwachsene so grausam den Tod fanden. In seiner Heimatstadt, in der der Jurist seit 18 Jahren regiert, wurde er offen angefeindet.

Heitmeiers Gedanken kreisten nach eigenen Worten lange nur um die Rettung der Verschütteten und das „unermessliche Leid“ der Hinterbliebenen, das ihn sichtlich erschüttert. Die Frage nach der Schuld sei „das Thema der künftigen Woche“, meint er.

Doch in der beschaulichen Kurstadt kochten die Emotionen hoch. „Trauer, tiefe Betroffenheit, Resignation hat die Menschen erfasst und zum Teil auch Wut - das habe ich selbst gespürt - bis hin zum Hass“, sagt Heitmeier bestürzt. Ein Feuerwehrmann habe ihm während der Bergungsarbeiten gesagt, die Katastrophe sei vorhersehbar gewesen.

Auf der Straße habe ihm eine Frau zugerufen: „Schämen Sie sich nicht? Sie haben diese Menschen auf dem Gewissen!“ Heitmeier erklärte ihr, was er in den vergangenen Tagen immer wieder gesagt hatte: Ein Gutachten, das bauliche Mängel an der 1972 fertig gebauten Halle festgestellt habe, „gibt es nicht“. Ein Sanierungskonzept für einen eventuellen Umbau des angrenzenden Schwimmbades habe sich nur mit der Technik, nicht mit dem Gebäude beschäftigt. Und die Schneehöhe auf dem Flachdach „lag weit unter dem Grenzwert“. Nach diesen Ausführungen habe sich die Frau bei ihm entschuldigt, erzählt Heitmeier.

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